International MedCommunications
   
press conferencespress releasestopics plannedphotosspeakersthe agencycontact uslinkslast updatedate

„Die Einzige“
Chirurgin aus Leidenschaft


Wien (IMC; Dr. WAS). Vor wenigen Tagen fand in Wien die Amtseinführung von Univ. Prof. Dr. Ingeborg Watzke als neue Primaria des „Instituts für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie und Zahnheilkunde“ am Wiener Donauspital. Kein gewöhnlicher Amtsantritt, sondern eine Sensation – zumindest im Deutschsprachigen Europa, das immerhin nahezu 100 Mio. Menschen umfasst. Warum? – Nun. Watzke ist im gesamten Deutschen Sprachraum tatsächlich die einzige habilitierte Frau, die einer Abteilung für Kiefer/Gesichtschirurgie vorsteht. Grund genug für uns, die gebürtige Gmundnerin zum Interview zu bitten.

IMC: Frau Prof. Watzke. Die Chirurgie ist an sich schon ein noch immer zutiefst ‚männliches’ Fach. Wie erreicht man dann als Frau eine Position mit einer derartig bemerkenswerten Sonderstellung?

IW: Gute Ausbildung, ständiger Innovationstrieb, Fleiß, Zähigkeit und Glück – in dieser Reihenfolge

IMC: Was waren Ihre wichtigsten medizinischen Karrierestationen?

IW: Zunächst erhielt ich meine Fachausbildung bei Prof. Chiari an der Univ. Klinik Wien. Das war mein erster prägender Lehrer. Am Ende meiner Facharztausbildung konnte ich bereits über 400 Operationen vorweisen.
1987-89 war ich als Chirurgin mit Operationslizenz in den USA bei Prof. Tim Turvy an der Universität von North Carolina. Mit Sicherheit erfolgt dort die größte Prägung, weil damals dort der Zugang zur Lehre und zur medizinischen Problemlösung ein völlig anderer war als bei uns und insbesondere schon Standardisierungen entwickelt wurden.
1992 habilitierte ich zur Univ. Dozentin und 2002 zur Univ. Professorin. Dazwischen lagen kürzere Studienaufenthalte z.B. in Zürich bei Prof. Obwegeser, dem Europäische Doyen der Kieferchirurgie.

IMC: Seit wann sind Sie im Donauspital?

IW: Seit 1994 – ich begann als „One Woman Show“ in Ergänzung der Unfallchirurgie, spezialisierte mich aber rasch auf Gebiet der Gesichtsfehl- und –missbilungen. Für diese Indikation sind wir heute eines der führenden Zentren in Österreich.

IMC: Und wenn Sie nicht operieren – was fasziniert Sie dann?

IW: Die 4 L´s: lesen, lesen, lesen und laufen. Letzteres am liebsten zur Musik von Mozart das schon Jahrzehnte vor dem Jubiläumsjahr. Aber auch Schilaufen und Eistanzen. In der Literatur schwärme ich für Doderers Strudlhofstiege und liebe vor allem auch die Werke meines Oberösterreichischen Landsmannes Christoph Ransmayr.

IMC: Welchen Rat würden Sie als wichtige Grundlage einer Karriere aus Ihrer persönlichen Sicht jemandem geben?

IW: Da gibt es eine wichtige Sache – das ist die Familie – oder besser das Privatleben. Ich bin davon überzeugt, dass ein harmonisches Privat- bzw. Familienleben – ich selbst habe ein solches – eine wichtige Grundvoraussetzung für den beruflichen Erfolg ist. Und ich denke, das gilt für alle Berufe sowohl bei Männern als auch bei Frauen. Diese Harmonie war es immer, die mich auch beruflich getragen hat.

IMC: Vielen Dank für das Interview