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„Wiener OP-Methode“ bei Darmkrebs

Drei Monate in den Wissenschafts-Charts!
Gars/Wien (IMC; Dr. WAS). „Wir hatten zunächst gar nicht gewusst, dass unsere Arbeit so viel Aufsehen erregt hatte“, so der Chef der Abtlg. f. Chirurgie am Wiener Donauspital, Prim. Univ. Prof. Dr. Rudolf Schiessel, im Interview mit IntMedCom anlässlich einer internationalen Publikation zum Thema „Operative Erhaltung der Kontinenz beim schließmuskelnahen Rektum-Karzinom“ im Fachjournal der „Amerikanischen Gesellschaft der Kolon- & Rektum-Chirurgen“. Was aber hat die Wissenschaft so aufgewühlt, dass diese Arbeit 3 Monate lang der meist gelesenste Artikel war?
Was zunächst kompliziert klingt, ist es in Wahrheit nicht. Schiessel und seine MitarbeiterInnen arbeiten bereits seit Jahren an einer speziellen OP-Technik, die es ermöglicht, Menschen mit endständigem (nahe am Darmausgang) Rektum-Karzinom ihre Kontinenz zu erhalten.
Ein kurzer Blick auf die anatomische Situation am Darmausgang. Es gibt hier zwei Ringe an Schließmuskulatur – einen so genannten äußeren und einen inneren. Bisher ging die Lehre davon aus, dass beide Ebenen für die ausreichende Funktion der Darmaugsangskontrolle nötig wären.
Dem widersprachen Schiessel und Mitarbeiter unter Zuhilfenahme moderner Diagnostikmethoden aus der Radiologie (Abtlg. Prof. W. Hruby).
Ein Widerspruch, der nicht unkommentiert blieb, denn sich gegen die tradierte wissenschaftliche Lehre zu stellen, bringt zunächst Einiges an Kritik.
Aber die Wiener Gruppe ließ sich nicht irritieren und bestand auf der Richtigkeit ihrer Methode – zu Recht wie sich nun belegen ließ. Eine erfreuliche Form der Hartnäckigkeit – insbesondere für betroffene PatientInnen – und das nicht nur in Österreich. Chirurgen aus vielen Ländern der Erde haben mit dem Wiener Professor Kontakt aufgenommen, um ihn zu Lehraufenthalten einzuladen.
Schiessel: „Aufgrund kulturspezifischer Gegebenheiten besteht in manchen Ländern enormes Interesse an dieser OP-Methode. Es sind dies vor allem Gesellschafts-Kulturen, in denen ästhetische Ansprüche einen besonderen Stellenwert haben und damit der Seitenausgang eine besondere ästhetische Bürde darstellt“
In Europa zählen dazu vor allem die romanischen Länder, international ist die Nachfrage aus Japan und anderen Teilen Asiens – und neuerdings auch aus den USA - sehr hoch.
Der Weg bis in die „Wissenschafts-Charts“ war lang – tatsächlich dauerte es rund 20 Jahre bis die Methode ihren Weg gemacht hatte. Das ist ähnlich lang wie die Entwicklung eines komplizierten Medikaments.

HINTERGRUND
Die Methode
Seit 1984 wurden alle PatientInnen mit einem Karzinom in den beiden unteren Dritteln des Rektums untersucht, ob sie für diese OP-Methode in Frage kommen. Entscheidend war, dass durch Magnetresonanz die exakte Lage und Ausdehnung des Tumors festgestellt werden konnte. In Frage kommen jene PatientInnen, bei denen der so genannte „äußere Schließmuskel“ nicht betroffen ist. Er übernimmt nach der Entfernung des Tumors und der inneren Schließmuskulatur die Aufgabe, die Darmkontinenz (Verschlussdruck) zu gewährleisten. Vereinfacht gesprochen – die natürliche Schließmuskulatur ist „überdimensioniert“.
Die Ergebnisse
Aufgrund der gewissenhaften Auswahl an PatientInnen kann die Methode hervorragende Erfolge vorweisen: 80% sehr gute Kontinenz nach einer Umstellungsphase von einigen Wochen, die vor allem durch häufigere Stuhlgänge geprägt ist. Mit 4,9% ein nur geringes Auftreten von Lokalrezidiven (Wiederkehrendes Karzinom) bei allerdings sehr langer Beobachtungsphase von 9 Jahren – üblich sind 2 Jahre.

Kontakt:
Prim. Univ. Prof. Dr. Rudolf Schiessel
Vorst. Abteilg. f. Chirurgie, Donauspital, 1220 Wien
Fon: (++43/1) 288 02-3302
Fax: (++43/1) 288 02-3380
E-Mail: rudolf.schiessel@wienkav.at