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PRESSEINFORMATION 02.04.2008

Stellungnahme der
Österreichischen Gesellschaft für Nuklearmedizin

Die im ORF-online Artikel http://steiermark.orf.at/stories/266257/ am 27.3.2008 und teilweise in der Kleinen Zeitung am Freitag 28.3.2008 auf Seite 18 erhobenen Behauptungen sind in dieser Form falsch und bedürfen einer Korrektur.

Wahr ist, dass sich in einem Umkreis von etwa 500 km um Tschernobyl mit einer Latenz von
5 Jahren eine Zunahme der SD-Karzinome feststellen ließ, wobei sich bei Kindern und Jugendlichen im Vergleich zu Erwachsenen eine stärkere Zunahme fand. In Weißrussland, der Ukraine und der Russ. Föderation ist der Zusammenhang eindeutig statistisch belegt. Der Anstieg betraf dort beide Geschlechter ohne Unterschied.
In Österreich ist ein Anstieg von gut behandelbaren Schilddrüsenkarzinomen dokumentierbar, jedoch erst weit später.

Siehe http://www.statistik.at/web_de/statistiken/gesundheit/krebserkrankungen/schilddruese/index.html

Der Anstieg an Schilddrüsenkarzinomen in Österreich – bei gleichzeitiger  Abnahme der Sterblichkeit – ist in Analogie zu Beobachtungen in den USA, wo ebenfalls seit Mitte der 70er Jahre ein Anstieg der Häufigkeit des Schilddrüsenkarzinoms besteht, wie die renommierte Fachzeitschrift Surgery im Jahr 2007 berichtet (Mitchell, et al., Surgery 2007; 142:823-828;

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18063063?ordinalpos=3&itool=EntrezSystem2.PEntrez.Pubmed.Pubmed_ResultsPanel.Pubmed_RVDocSum).

 In den USA ist der Anstieg besonders auf das weibliche Geschlecht konzentriert. Bedeutsam ist, dass es dort nach Tschernobyl keinen radioaktiven Fall-out gab.

Der Anstieg bei immer geringerer Aggressivität ist z.T. durch verfeinerte mikroskopische Diagnostik zu erklären, da mehr Karzinome zufällig in postoperativen Präparaten nach simplen Kropfoperationen gefunden werden. Wesentliches Merkmal bei uns ist wie in den USA der Unterschied in der Geschlechtsverteilung, Frauen:Männer von 2:1 bis 2,5:1 und dies war bereits vor Tschernobyl so, während wie oben erwähnt in Osteuropa beide Geschlechter gleich betroffen waren.

Kurz: Dass bei uns der Anstieg von Schilddrüsenkarzinomen mit dem Kernkraftwerk-Unglück 1986 zu tun hat, ist wissenschaftlich nicht belegbar und somit pure Spekulation.

Die Tatsache, dass der Schilddrüsenkrebs in Österreich an Aggressivität abgenommen hat, findet auch eine Erklärung in der besseren Jodversorgung seit der Kochsalzjodierung. Die gefährlicheren Formen des Schilddrüsenkrebses sind häufiger in Jodmangelgebieten zu beobachten. Somit bedeutet die Kochsalzjodierung einen Faktor zur Prognoseverbesserung der Erkrankung.

Übrigens war auch in Osteuropa das relative SD-Karzinomrisiko nach Tschernobyl in den Gebieten mit der niedrigsten Jodversorgung ca. 3x höher als in denen, wo die Bevölkerung gut jodversorgt war.
Siehe WHO-Publikation http://whqlibdoc.who.int/publications/2006/9241594179_eng.pdf

Wissenschaftlich unbestritten ist der protektive Effekt von ausreichender Jodversorgung hinsichtlich Kropfbildung gerade im Kindesalter! Die individuelle Austestung auf Jodmangel und individuelle Jod-Behandlung wäre jedoch im Vergleich zur Kochsalzjodierung mit unverantwortbar hohen Kosten ohne deutlichen medizinischen Zugewinn verbunden.

Die Angabe, dass jeder vierte Mensch (=25%) an einer Schilddrüsenentzündung leide, ist übertrieben. Jeder 20. Mensch der allgemeinen Bevölkerung (=5%) dürfte zutreffen. ***ENDE***

Gez.: Der Vorstand der Österreichischen Gesellschaft für Nuklearmedizin:
Prim. Dr. Bernhard Markt, MSc, Linz
Prim. Univ.-Prof. Dr. Christian Pirich, Salzburg
Prim. Univ.-Doz. Dr. Alexander Becherer, Feldkirch
Univ.-Doz. Dr. Hans-Jürgen Gallowitsch, Klagenfurt
Univ.-Prof. Dr. Reingard Aigner, Graz
o.Univ.-Prof. Dr. Robert Dudczak, Wien
o. Univ.-Prof. Dr. Irene Virgolini, Innsbruck
Prim. Univ.-Doz. Dr. Thomas Leitha, Wien

Kontaktdaten Absender:  VIRTUELLES PRESSEZENTRUM - www.intmedcom.com

PRESSESEMINAR DER OGN „SCHILDDRÜSENKREBS – WAS NUN?“ ,4.4.2008
http://www.intmedcomaktuell.at/14.html