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Pressemeldung - Montag, 08. November 2004, No Embargo

Wissenschaft/Gesundheit/Medizin

Hormonersatztherapie (HRT)

Neue HRT nach dem Chaos

Innsbruck (IntMedCom, DrWAS). Mit der Krise der Hormonersatztherapie rund um nicht völlig transparente Daten aus einigen Studien wurde vor allem Angst erzeugt. Tatsache ist, dass weiterhin Frauen am „Klimakterischen Syndrom“ leiden und der Behandlung bedürfen. Aber wie soll die in der Praxis aussehen? Sind die herkömmlichen Präparate gefährlich? Wir haben Univ. Prof. Dr. Ludwig Wildt - den Leiter der “Klinischen Abteilung für gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin“ an der Universitätsklinik für Frauenheilkunde in Innsbruck befragt.

IMC: Herr Prof. Wildt, wie sieht die Realität für die betroffenen Frauen aus?

W: Es gibt definitiv eine hohe Zahl von Frauen, die vom klimakterischen Syndrom betroffen sind und der Behandlung bedürfen. Viele von jenen, die aus Angst die Hormonersatztherapie (HRT) unterbrochen hatten, haben wieder damit begonnen. Stellen Sie sich vor, Sie werden jede Nacht alle 60-90 Minuten durch das Läuten des Telefons aufgeweckt. Das macht Sie fertig. Das ist aber in etwa die Welt, in der die Betroffenen leben. Vielfach sind nämlich typische Schlafstörungen das Leitsymptom und weniger die Schweißausbrüche. Und dann muss behandelt werden. Das und nicht die „Nebeneffekte“ in Bezug auf Osteoporose oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen steht im Fokus der Therapie. Zur Osteoporosevorbeugung ist die HRT sicher nicht erste Wahl.

IMC: Von verschiedenen Seiten wurde immer wieder die „individuelle HRT“ verlangt. Tatsächlich stehen aber vielfach fixe Kombinationspräparate zur Verfügung. Wie geht man damit um?

W: Lassen Sie mich zunächst nochmals betonen, dass die individuelle HRT eine conditio sine qua non ist. Wenn Sie heute sagen würden, alle DiabetikerInnen erhalten eine fixe Insulindosis pro Tag, wäre das völlig inakzeptabel. In der HRT war es aber so gemacht worden, wenngleich „hormonelle Zwangsbeglückung ab 50“ wie etwa in den USA bei uns nicht statt gefunden hat. Unser Konzept ist denkbar einfach. Wir verabreichen so wenig Östrogen wie möglich – vor allem als Gel oder als Pflaster. Die Grenze der Dosierung ergibt sich aus dem Verschwinden der Symptome. Orales Östrogen betrachten wir als zweite Wahl. Dazu wird alle 3 bis 6 Monate ein Gestagen kombiniert. Fixe Kombinationen sind daher denkbar wenig geeignet, eine solche individuelle HRT zu gewährleisten. Da muss man sich schon die Arbeit machen, jede Frau persönlich zu betreuen. Auch hier ist der Diabetes Vorbild, bei dem die PatientInnen die Insulindosis kontrollieren und steuern. Mit der entsprechenden Aufklärung ist das auch in der HRT möglich und kein Problem.

IMC: Nun war es in den rezenten großen Studien aber vor allem die Östrogen-Gestagen-Kombination, der ein erhöhtes Brustkrebsrisiko zugeordnet wurde. Wie ist das zu beurteilen?

W: Richtig. Es gibt Hinweise, dass alleinige Östrogen-Gabe sogar zu einer Risikominderung führt. Hier muss man allerdings wissen, dass weitere – leider wenig beachtete – Auswertungen der Studien gezeigt haben, dass das Brustkrebsrisiko nur bei Frauen anstieg, die Opfer einer „hormonellen Zwangsbeglückung“ waren, also keinerlei Mangelsymptomatik aufwiesen. Bei tatsächlich Betroffenen wurde der Risikoanstieg nicht festgestellt. Wenn Sie einem Gesunden Insulin verabreichen, können Sie ihn damit sogar töten. Analog gilt auch bei den Hormonen, dass das hoch wirksamen Substanzen sind. Als Spielwiese einer zeitgeistigen „Anti-Ageing-Medizin“ sind sie sicher nicht geeignet. Unser Schema mit individueller Östrogen-Basistheapie und der Intervallgabe von Gestagen orientiert sich maximal an der Logik wie sie in der Diabetesbehandlung selbstverständlich ist.

IMC: Wie beurteilen Sie die Zukunft der HRT?

W: Unbedingt positiv was den individuellen Hormonersatz betrifft. Alle Maßnahmen, die sich daran nicht orientieren, sind aber sicherlich überholt. Es wird weitere Anstrengungen hinsichtlich der Applikationsformen geben. In England etwa stehen auch Implantate zur Verfügung, die kleinste Mengen von Östrogen über längere Zeit abgeben. Das erspart die tägliche Gel-Gabe, vermindert aber die Steuerbarkeit. Bedenken Sie auch, dass es sich nicht um Symptome handelt, die nach wenigen Wochen wieder verschwinden. Betroffene leiden 6-8 Jahre an Schlafstörungen. Das zermürbt die Frauen. Viele psychologische Faktoren rund um das Klimakterium wie das meiner Ansicht nach total überbewertete „empty nest syndrom“, Stimmungsschwankungen, Übellaunigkeit und ähnliches haben ihre Wurzeln in der Schlafstörung. Wurde die Schlafqualität mit Östrogen wiederhergestellt, dann sind die Frauen nicht mehr unausgeglichen. Es ist kein Zufall, dass gezielte Schlafstörung zu den schlimmsten Formen der Folter gehören. Das erklärt viele Dinge, die bisher alleine der Psyche zugeordnet wurden. In diesem Sinne ist das Verständnis des klimakterischen Syndroms zu verbessern und auch die Behandlung an die jeweilige Frau anzupassen.

Kontakt:

Univ. Prof. Dr. Ludwig Wildt
Univ. Klin. f. Frauenheilkunde
6020 Innsbruck, Anichstr. 35 Fon: +43 . 512 . 504 . 23068
E-Mail: ludwig.wildt@uibk.ac.at

 


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