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Pressemeldung - Mittwoch, 31. März 2004

Wissenschaft/Gesundheit/Medizin

Belastungsstörungen nach Psycho-Trauma

Mangel an Wissen und Versorgung!

Wien. (IntMedCom, WAS) Von Kaprun über Bagdad bis Madrid bekommen wir traumatische Katastrophenereignisse ins Wohnzimmer geliefert, umrahmt von Meldungen über tödliche Unfälle. Der Stoff aus dem die „Posttraumatischen Belastungsstörungen“ sind. Wir haben Traumaspezialisten Ass. Prof. Dr. Alexander Friedmann, Präsident der ESRA (www.esra.at), befragt.

IMC: Herr Prof. Friedmann, bei all diesen Meldungen entsteht instinktiv der Wunsch, sich vor Traumafolgen aktiv zu schützen. Ist das machbar?

PAF: Bis zu einem gewissen Grad schon. Idealerweise hat das mit ausgewogener Erziehung zu tun, beginnend ab dem Volksschulalter. Vermieden werden sollte alles, was ein übersteigertes Selbstwertgefühl erzeugen könnte, denn es ist der Zusammenbruch des „Selbstbildes“, der eine Belastungsstörung auslöst. Der zweite wesentliche Punkt ist die Vermeidung eines „Heile-Welt-Bildes“. Auch Kinder „sollen“ grundsätzlich – natürlich in einer verantwortbaren „Dosierung“ - wissen, dass es Schreckliches gibt auf dieser Welt. Und darüber soll man mit ihnen auch aktiv reden.

IMC: Gibt es begünstigende Faktoren?

PAF: Das ist vielleicht sogar der wichtigere Teil. Es gibt eine Reihe von Faktoren, die aber alle eines gemeinsam haben. Sie bewirken, dass der „Glaube an die Welt, ihre Berechenbarkeit, oder an das eigene Vermögen“ verloren geht. Dieser Mechanismus ist unabhängig von der Ursache des Traumas. Ein Beispiel aus meiner Praxis: wenn etwa jemand in der Fiktion lebt, ein „Held“ zu sein und dann in einer entsprechenden Situation „versagt“, bricht er zusammen. Eine Belastungsstörung entwickelt sich.

IMC: Welche Ursachen sind „führend“ als Auslöser der Posttraumatischen Belastungsstörung?“

PAF: Der sexuelle Übergriff – nicht nur die vollzogene Vergewaltigung, sondern alle korrelierenden Bedrohungssituationen. Das wird leider häufig missverstanden. Die Konfrontation mit überraschender psychischer oder körperlicher Gewalt. Dazu gehört der große Bereich Gewalt in der Familie, gegen Kinder inklusive der psychischen Gewalt etwa im Zusammenhang mit Scheidungen. Und nicht zuletzt natürlich Unfälle, Großschadensereignisse und Naturkatastrophen.

IMC: Wer ist gefährdet? Nur die „Oper“?

PAF: Jeder, der direkt oder auch nur indirekt betroffen ist, also auch Zeugen, Helfer (Sekundäropfer) oder Angehörige (Tertiäropfer).

IMC: Sie haben täglich vor allem mit Opfern aus anderen Kulturen oder Kriegsgebieten zu tun, die Schreckliches berichten. Wie werden Sie selbst damit fertig. Wie wird man grundsätzlich damit fertig?

PAF: Ich habe es vielleicht sogar leichter, denn nach der Befragung vereinbare ich Schritte, die Hilfe bringen und muss alles dokumentieren. Das hinterlässt ein „positives“ Gefühl. Anders etwa bei einem Spontanhelfer oder Zeugen. Hier muss ein sogenanntes „Debriefing“ erfolgen. Das heißt, die Person muss darüber mit anderen sprechen. Vereinfacht - sich den Schock „von der Seele reden“ und ihn „abladen“

IMC: Das klingt eigentlich sehr einfach. Ist es tatsächlich auch so?

PAF: Leider nein. Es wird allgemein nicht verstanden, dass nach dem ersten Schock der Schrecken zum ständigen Begleiter werden kann. Und das nicht selten, weil Viele der Schritt zur professionellen Hilfe nicht machen, obwohl spezielle Anti-Depressiva + Psychotherapie heilen können.

IMC: Professionelle Hilfe heißt Psychiater?

PAF: Ja oder klinischer Psychologe. Beide werden meist zu spät oder gar nicht aufgesucht. Der Grund liegt darin, dass hierzulande alles, was mit „Psych“ beginnt, gemieden wird. Es gibt dieses tief verwurzelte Vorurteil, wer zum Psychiater/Psychologen muss, der ist „verrückt“ oder „deppert“. Zigtausende Betroffene bleiben somit lieber zu Hause, leiden und Ihre Angehörigen leiden mit. Daher ist Aufklärung wichtig, denn ohne professionelle Hilfe geht es einfach nicht.

Service

Ass Prof. Dr. Alexander Friedmann, Präsident der ESRA, Univ. Klin. f. Psychiatrie Wien
Leiter der Ambulanz f. transkulturelle Psychiatrie und migrationsbedingte Störungen
1090 Wien, Währinger Gürtel 18-20 Tel.: +43 – (0)1- - 40400-3547
E-Mail: alexander.friedmann@meduniwien.ac.at

 


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