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Pressemeldung - Montag, 5. Mai 2003 - No embargo

Wissenschaft/Gesundheit/Medizin

WHI-Studie - "Neue" Auswertung

VIEL LÄRM UM NICHTS?

Erneut wird am 8. Mai im prominenten US-Magazin "New England Journal of Medicine" (http://nejm.org/earlyrelease/early.asp#3-17) eine weitere "Auswertung" der sogenannten WHI-Studie (Womens Health Initiative) erscheinen, die bereits im Herbst 2002 für einiges Aufsehen und scharfe Proteste gesorgt hat. Der heimische Hormon-Experte Prof. DDr. Johannes Huber von der Universitäts-Frauenklinik in Wien erneuert seine energische Kritik an der Studie und ihrer Ausrichtung. Tatsächlich verwundert, warum Frauen, die ohne jedes Symptom des Wechsels waren, nur aufgrund ihres Alters Hormone verabreicht wurden. Huber: "Das ist nach europäischen Standards geradezu als unseriös zu bezeichnen!" Das wenig verwunderliche Ergebnis: wenn es keine Symptome zu behandeln gibt, dann können sich diese auch nicht bessern. Das Resumee der aktuellen Publikation lautet aber: "Diese Therapie ist wirkungslos".

Der Hintergrund der Studie war, Frauen ab einem bestimmten Alter "präventiv" grundsätzlich Hormone zu verabreichen. Im Herbst 2002 wurde dann der Studienarm, in dem die Probandinnen eine Kombination aus Östrogen + Progesteron erhalten hatten, abgebrochen. Die Begründung lag in einem geringen Anstieg des Brustkrebs-Risikos. Schon vor wenigen Monaten erregte die Studie damals nicht so sehr wegen dieses Zwischenresultates die Gemüter, sondern wegen ihres grundsätzlichen Designs.

Anlässlich einer Pressekonferenz stellte Prof. Huber damals fest: "... es ist unrichtig, davon auszugehen, dass eine Frau, nur weil sie amenorrhoeisch ist und sich jenseits des fünfzigsten Lebensjahres befindet, automatisch an einem Östrogenmangel leidet. Der Irrtum liegt auch darin, dass der Eierstock nicht der alleinige Östrogenproduzent des weiblichen Körpers ist, sondern unterschiedliche Zellen dies weiter tun - oft weit über das sechzigste Lebensjahr hinaus. Damit führt sich eine Prävention mit Östrogenen ad absurdum, da dieses Hormon ja gar nicht substitutionsnotwendig ist und bekanntlich supraphysiologische (das heißt zu hohe Östrogendosen) tatsächlich gefährliche Komplikationen mit sich bringen können."

Auch nun ist der Sukkus wieder "Europa ist anders!". Gemeint ist die Tatsache, dass hierzulande die Gabe von Hormonersatzpräparaten ohne zwingende Indikation mittlerweile als Kunstfehler gilt.Inhaltlich lässt sich zu der in Kürze im Druck erscheinenden Auswertung der WHI-Studie Folgendes anmerken:

  • Tatsächlich litten 88%! der in diese Studie eingeschlossenen Frauen an keinerlei Symptomen – Sie hätten nach europäischen Standards also gar keine derartigen Präparate bekommen dürfen.
  • Von den restlichen 12%, die vor der Hormongabe über Beschwerden berichteten, erfüllten diese nicht einmal die notwendigen Kriterien der US-Behörde FDA (Food & Drug Administration) für die Ausprägung "mäßig bis schwer" – Bei "leichten" Symptomen aber sieht Europa die Behandlungsnotwendigkeit heute nicht mehr.
  • Die Studie kritisiert, dass die Hormonersatz-Therapie keine Verbesserung der Lebensqualität bedingen würde, obwohl bei genauer Ansicht der Daten schon zu Beginn der Studie alle Frauen ihre Lebensqualität dem "Normalbereich" zuordneten.

Daher ist nicht verwunderlich, wenn heimische ExpertInnen wie Prof. Huber erneut Verständnislosigkeit zeigen. "Man versucht hier, möglicherweise aus Beweggründen, die wir nicht kennen, aber offenbar sehr gezielt eine bestimmte Therapie in Verruf zu bringen, die vielen Frauen, die unter massivsten Beschwerden leiden, rasch und effektiv hilft.", so Huber im Gespräch mit IntMedCom.

"Niemand in unserem Lande verabreicht – wenn er sich an die geltenden Standards hält – gedankenlos Hormone nur aufgrund des Patientinnenalters!", will Huber die Frauen beruhigen. "Insulin – ebenfalls ein hochwirksames Hormon – wird ohne die Indikation der Zuckerkrankheit ja auch nicht Gesunden verordnet. Warum sollten wir das also bei derartig hochpotenten Wirkstoffen wie den Sexualhormonen tun?".

Huber abschließend: "Andererseits muss aber völlig klar gesagt werden, dass es eine erhebliche Zahl von klimakterischen Frauen gibt, für die die Hormonersatztherapie geradezu einen Segen darstellt. Nämlich jene, die schweißgebadet und von Schlafstörungen aufgerieben in die Ordination kommen und sagen: ‚Bitte, helfen Sie mir!’ Die benötigen keine Tranquilizer und keine Psychopharmaka, sondern das, was ihnen fehlt. Hormonersatz. Natürlich, nachdem man einen Mangel auch verifiziert hat und dann sowenig wie möglich und soviel wie nötig. Und sicherlich nicht jahrelang."

Hinweis:
Prof. Huber ist auch Sprecher der "Jahrespressekonferenz der ÖGGG" am Mittwoch, den 7.5.2003 , 9.30h , Billroth-Haus , 1090 Wien, Frankgasse 8 , und kann dort auch allfällige Fragen zu dieser Studie beantworten.

SERVICE:

Fotos: www.intmedcom.com / Sprecher
Kontaktadresse: siehe www.intmedcom.com / Sprecher
Weitere Infos zu 2002
http://www.intmedcom.com/22000/20020925.htm
http://www.intmedcom.com/12000/20021011/20021011.htm


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