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Pressemeldung - Dienstag, 12. November 2002, 12.11.02 15:48:45 CET/MEZ, NO EMBARGO

Wissenschaft/Gesundheit/Medizin

Kleinkinder & Pneumokokken

STUDIE BESTÄTIGT - IMPFSTOFF NACH MASS!

Wien. Bereits wiederholt empfahl der Impfausschuss des obersten Sanitätsrates, Kleinkinder bis zum 2. Lebensjahr gegen Pneumokokken impfen zu lassen. Jetzt belegen die ersten Daten einer neuen Studie, dass der US-Impfstoff *Prevenar® auch zu den heimischen Erregerstämmen „passt“. Durchgeführt wurde die Studie von Dr. Pamela Rendi-Wagner, Abteilung für spezielle Prophylaxe und Tropenmedizin der Universität Wien (Leitung Univ. Prof. Dr. Herwig Kollaritsch). Gegenstand der Studie war die Erfassung jener Pneumokokken-Stämme, die in Österreich zu invasiven Infektionen an Kleinkindern (Sepsis, Gehirnhautentzündung) führten und der Hospitalisierung bedurften. Das Ergebnis gibt Anlass zur Freude. Bei der Meningitis kann der Impfstoff gegen bis zu 90% der gefundenen Erregerstämme schützen, bei der Gesamtheit der invasiven Infektionen bis zu 85% der Stämme abdecken. Nebenergebnis: Antibiotika-Resistenzen wesentlich höher als immer vermutet!

Die bekannte Pneumokken-Impfung für Erwachsene kann Kinder nicht schützen. - Sie benötigen einen speziellen „High-Tech-Impfschutz“, der in Form des Impfstoffes *Prevenar® des US-Konzerns Wyeth zur Verfügung steht. Heimische Impfspezialisten wie Univ. Prof. Dr. Herwig Kollaritsch sprechen von einem „Meilenstein“ in der Impfmedizin. Die ExpertInnen im OSR-Impfausschuss sind sich einig, dass gegen diese gefährlichen Infektionen geimpft werden sollte.

Pneumokokken sind eine Erregergruppe, die sich trotz moderner Antibiotika einiges an Schrecken bewahrt hat. Der sogenannte "Streptococcus pneumoniae" kann ein breites Spektrum gefährlicher Infektionen hervorrufen, deren Letalität trotz moderner Medizin mit bis zu 20% beziffert wird. Dazu gehören etwa die Krankheitsbilder der akuten, schweren Mittelohrentzündung, der Lungenentzündung, der Sepsis (Blutvergiftung) oder der Meningitis (Gehirnhautentzündung).“ (Zitat:Prof. Dr. Karl Zwiauer, 30.10.2001, PK „Tödliches Risiko Pneumokokken“ Siehe auch: www.intmedcom.com - diverse Unterlagen und Fotos

IntMedCom befragte die Studienleiterin, Dr. Pamela Rendi-Wagner zu Ergebnissen und Bedeutung ihrer Erregerhäufigkeitsanalyse. Rendi-Wagner: „Da der Impfstoff aus den USA stammt und den dortigen Gegebenheiten angepasst ist, wussten wir zunächst nicht , ob auch die in Österreich vorkommenden Stämme ausreichend abgedeckt würden. Es lag dazu bisher keinerlei epidemiologisches Datenmaterial vor, auf das man hätte zurückgreifen können. Das war der eigentliche Anlass dafür, ein sogenanntes IPD-Surveillancesystem einzurichten. Darunter versteht man eine Art Überwachungssystem für invasive Pneumokokken-Infektionen (Anm.: invasive pneumococcal diseases).

Die derzeitige Datenlage beleuchtet den Zeitraum von Februar 2001 bis Jänner 2002. Aus der ersten Ergebnissen kann man Folgendes ableiten. Insgesamt betrug das Verhältnis Meningitis zu Sepsis bei den invasiven Pneumokokken-Infektionen ist 1:2. Besonders hoch – wie aus der Literatur bekannt - war in diesem Zusammenhang der mit 35% hohe Anteil von Kindern, die zusätzlich Folgeschäden erlitten.„ (Anm.: Die Folgeschäden nach Pneumokokken-Meninigitis sind sehr vielfältig und umfassen das gesamte Spektrum neurologischer Störungen und Ausfälle von der motorischen Entwicklungsstörung bis hin zur schweren geistigen Retardierung.)

Rendi-Wagner weiter: „Unter Einschluss einer möglichen jedoch noch nicht gänzlich gesicherten Kreuzprotektivität zeigt sich, dass der 7-valente-Impfstoff *Prävenar® bis zu 90% der Pneumokokken-Stämme abdeckt, die zu Meninigitis führen, und bis zu 85% jener Stämme, die insgesamt eine invasiven Infektion zur Folge hatten.

IntMedCom bat auch Abteilungsvorstand Univ. Prof. Dr. Herwig Kollaritsch um seinen Kommentar: „Derzeit ist die Fallzahl noch etwas klein, denn es konnten nur jene Kinder erfasst werde, die in einem Spital behandelt wurden. Tatsächlich müssen wir für die Häufigkeit etwa der Pneumokokken-Pneumonie ein Mehrfaches der vorliegenden Fallzahlen annehmen, von der Otitis media ganz zu schweigen. Bei der Erregerabdeckung liegen wir im guten europäischen Mittelfeld und sind mit unseren Nachbarländern vergleichbar.

Wir werden diese Studie mit der Einführung des Impfstoffes in die Impfroutine weiterführen werden, um zu sehen, welche exakten Konsequenzen bei einer entsprechenden Durchimpfungsrate nachweisbar sind. Denn der zu erwartende Nutzen durch Senkung sämtlicher Pneumokokken-Krankheitsbilder ist von enormer volkswirtschaftlicher Bedeutung.

Und noch etwas ist – gleichsam als Nebenergebnis – bei dieser Studie zutage getreten. Die Antibiotika-Resistenzen bei Pneumokokken sind wesentlich höher als jemals angenommen. (Anm.: siehe auch http://www.intmedcom.com/22000/20020822.htm ). Das ergaben zusätzliche Auswertungen von Univ. Prof. DDr. Georgopoulos am AKH-Wien. Hier hatten wir bisher ein klares Wissensdefizit. Diese Resistenzen liegen bei deutlich über 20%. Die Konsequenz ist, dass Penicillin G und Makrolid-Antibiotioka in dieser Indikation mit Sicherheit nicht mehr erste Wahl sind!

Das ist bei Kindern umso betrüblicher, als dort die Auswahl der Antibiotika ohnehin geringer ist als beim Erwachsenen. Wer also heute falsch verordnet, muss damit rechnen, keine Wirkung zu erzielen.

Anm.: Eine Studie von Pelton und Klein, veröffentlicht von der American Academy of Pediatrics in PEDIATRICS Vol. 110, No. 4, October 2002, pp. 805-814 bestätigt zudem, dass *Prevenar® insbesondere resistente Stämme gut abdeckt. (http://www.pediatrics.org/cgi/content/full/110/4/805)

Service:

bei Fragen zur Studie:

Univ. Prof. Dr. Herwig Kollaritsch
Leiter der Abteilung für spezielle Prophylaxe und Tropenmedizin der Universität Wien
1090 Wien, Kinderspitalgasse 15
Tel.: +43 - 1 - 403 8343 – 22, Fax: +43 - 1 - 403 8343 – 90,
Email: herwig.kollaritsch@meduniwien.ac.at

Dr. Joy Pamela Rendi-Wagner
E-Mail: joy.pamela.wagner@meduniwien.ac.at

bei Fragen zu den Antibiotika-Resistenzen

Univ. Prof. DDr. Apostolos Georgopoulos
1. Univ. Klin. f Innere Med. Wien Klin. Abtlg f. Infektionen und Chemotherapie
A-1090 Wien, Währinger Gürtel 18-20
Tel.: 01 - 40400 - 4440 , Fax: 01 - 40400 - 4418

Prim. Univ. Prof. Dr. Helmut Mittermayer
Institut für Hygiene, Mikrobiologie & Tropenmedizin
Krankenhaus der Elisabethinen, 4010 Linz, Fadingerstr. 1
Tel.: 0732 – 7676 – 0, Fax: 0732 – 7676 – 3686,
E- Mail: office-ihmt@elisabethinen.or.at


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