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Pressemeldung vom Donnerstag, 22.08.02 17:41:37 CET/MEZ - NO EMBARGO

Wissenschaft/Gesundheit/Medizin

Bedrohliche Pneumokokkenresistenz?

SORGE JA - PANIK NEIN!

Linz/Wien. Seit etwa 1997 registrieren Österreichische ExpertInnen auch in unserem Lande ein Ansteigen der Resistenz dieser Keime gegen Antibiotika. Betroffen sind vor allem die Sub-stanzklassen: Penicillin, Makrolide und Tetrazykline. IntMedCom bat Prim. Univ. Prof. Dr. Helmut Mittermayer, den Leiter des Instituts für Hygiene, Mikrobiologie und Tropenmedizin am Krankenhaus der Elisabethinen in Linz und einen der beiden Chefs des nationalen Referenz-zentrums für Resistenzfragen zum Interview. Gegenstand war die spezielle Situation bei Pneumokokken. Zusammenfassend: es gibt sie zweifellos Resistenzen, sie betragen bei Kin-dern bis zu 15,5% (Penicillin) und weisen bei diesen bei bestimmten Krankheitsbildern einen noch höheren Wert – nämlich 25% bei sogenannten invasiven Infektionen, gegen die man auch impfen könnte – auf. Dieser Wert ist zwar noch durch eine kleine Fallzahl einge-schränkt, lässt laut Mittermayer aber aufhorchen . . .

Historisch glaubte man im deutschsprachigen Raum lange Zeit, vor den teilweise explodierenden Resistenzraten in den USA, dem umliegenden Europa und Asien gefeit zu sein. Ein Irrtum wie sich etwa im Jahr 1995 herausstellte, als Mittermayer in einer regionalen Studie erstmals steigende Anti-biotika-Resistenzen ortete. Grund genug, mit größeren Studien zu beginnen, deren letzte 2001 abge-schlossen wurde. Auf diese Studie beziehen sich die folgenden Werte und hier unter besonderer Berücksichtigung der Pneumokokken.

Pneumokokken sind eine Erregergruppe, die sich trotz moderner Antibiotika einiges an Schre-cken bewahrt hat. Der sogenannte "Streptococcus pneumoniae" kann ein breites Spektrum gefähr-licher Infektionen hervorrufen, deren Letalität trotz moderner Medizin mit bis zu 20% beziffert wird. Dazu gehören etwa die Krankheitsbilder der akuten, schweren Mittelohrentzündung, der Lun-genentzündung, der Sepsis (Blutvergiftung) oder der Meningitis (Gehirnhautentzündung).“ (Zitat:Prof. Dr. Karl Zwiauer, 30.10.2001, PK „Tödliches Risiko Pneumokokken)

Mittermayer: „1996/1997 fanden wir plötzlich erste ausgeprägte Resistenzen gegen Makrolid-Antibiotika. Die Alarmglocken begannen zu läuten und eine erste österreichweite Studie wurde initiiert, die 1999 und schließlich 2001 wiederholt wurde.

Die Fakten
Und das sind die letzten Ergebnisse für Pneumokokken: Penicillin: 15,5% (Erw. 5%); Makro-lide: 14% (Erw. 7,2%) und Tetrazykline 14% (Erw. 7,2%). Es gilt allerdings anzumerken, dass Tetrazykline aufgrund ihrer Nebenwirkungen bei Kindern nicht zum Einsatz kommen. Generell ist die Tendenz weiter steigend, ohne zu explodieren.

Ungleich ist dabei die landesweite Verteilung. Es kann – so Mittermayer – immer wieder zu regio-nalen Spitzen kommen: „So wurden in Wien einmal plötzlich 25% Resistenzen gegen Erythromycin (Anm.: Muttersubstanz der Makrolide) festgestellt.“ Warum? „Das ergibt sich gelegentlich, wenn sich ein besonders resistenter Erreger-Klon in einem definierten Gebiet (etwa in einem Kindergarten) ausbreitet.“ Das hatte zur Folge, dass damit der gesamte Österreichschnitt für diese Substanz auf 10% anstieg, für andere Bundesländer jedoch keineswegs repräsentativ war.

Die böse Überraschung
Wenig Freude bereitete den Forscher eine weitere Erkenntnis: bei sogenannten invasiven Infektio-nen (z.B. Gehirnhautentzündung, Blutvergiftung) wurden – und das gilt als Paradoxon – bei Kindern stark erhöhte Resistenzwerte festgestellt. Sie lagen für Penicillin bei bis zu 25%. Mittermayer: „Hier möchte ich ganz klar feststellen, dass diese unerfreulichen Resultate durch die relativ klei-ne Fallzahl etwas eingeschränkt sind, aber es lässt sich ein Trend erkennen, der durchaus Anlass zur Besorgnis gibt. Wir werden sehen, wie das weitergeht.

Zusatzproblem
Mittermayer: „Bei diesen sogenannten gram-positiven Erregern stellt sich ein weiteres, wesentliches Problem. Es kann sogar schon unter der Therapie zur Resistenzen kommen, die nicht vorhersehbar sind.“ Keine einfache Aufgabe also für die BehandlerInnen.

Die Ängste
Heißt das nun, dass bei 25% aller Kinder, die eine Pneumokokken-Meningitis haben, Penicillin eine Todesdroge wäre, weil sie nicht mehr wirkt? „Nein“, sagt Mittermayer., „ganz so extrem darf man das keinesfalls formulieren, denn die Resistenzdefinition im Labor könnte bei entsprechender Dosierung durchaus noch eine ausreichende ‘klinische’ Empfindlichkeit des Erregers inkludieren, zumindest für Pneumonien wissen wir dies .“ Aber empfehlen würde man eine derartige Risi-kosubstanz als Therapie der ersten Wahl wohl nicht.

Die Konsequenzen
Es ergeben sich verschiedene Möglichkeiten, mit der steigenden Resistenzbedrohung vernünftig umzugehen. Mittermayer sehr klar: „Vor allem besteht derzeit kein Grund zur Panik! Dennoch haben sich die Rahmenbedingungen deutlich verändert und müssen gewissenhaft bedacht werden. Zum Einen die Wahl des – richtigen - Antibiotikums in der entsprechend hohen Dosierung. Dazu ist es nötig, die Resistenzentwicklung laufend zu beobachten. Eine Aufgabe, die uns von ministerieller Seite als Referenzzentrum gemeinsam mit dem AKH-Wien übertragen wurde.“ Später dann speziell zu der dramatisch erhöhten Resistenzsituation bei kindlichen, invasiven Infek-tionen. „Hier hätten wir bei den Kleinkindern bis zum 2. Lebensjahr die Möglichkeit, gleich von Beginn an zu impfen.“ Und neue „Wunder-Antibiotika“ sind nicht in Sicht? „Es wir eifrig ge-forscht, aber besonders bei neuen Substanzen wissen wir nie, wie sehr oder rasch sich Resisten-zen (Anm. sogar schon während der Therapie) entwickeln können.

SERVICE:
Kontakt: Prim. Univ. Prof. Dr. Helmut Mittermayer
Institut für Hygiene, Mikrobiologie & Tropenmedizin
Krankenhaus der Elisabethinen, 4010 Linz, Fadingerstr. 1
Tel.: 0732 – 7676 – 0, Fax: 0732 – 7676 – 3686, E-Mail: office-ihmt@elisabethinen.or.at
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