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Pressemeldung vom Dienstag, 23.07.2002 13:40 MEZ - NO EMBARGO

Wissenschaft/Medizin/Gesundheit

Relevantes Gen für Depressionen identifiziert

Für das Entstehen von Depressionen sind nicht nur Faktoren der Persönlichkeit und der Lebensgeschichte ausschlaggebend. Auch genetische Anlagen dürften das Risiko für depressive Verhaltensweisen maßgeblich beeinflussen. Den Beweis dafür erbrachte nun eine österreichische Studie, publiziert in der Juli-Ausgabe der renommierten Zeitschrift „Archives of General Psychiatry“.

In die randomisierte, doppelblinde Crossover-Studie wurden 48 gesunde Frauen eingeschlossen, bei denen bekannt war, ob eine familiäre Belastung für Depressionen besteht oder nicht. Nachdem bei allen Probandinnen durch Tryptophandepletion experimentell ein Serotoninmangel herbeigeführt wurde, der die biologische Situation einer Depression unter kontrollierten Bedingungen nachstellt, traten bei einem Teil der Frauen depressive Symptome auf. Interessant dabei war, dass dies besonders bei jenen Frauen der Fall war, bei denen das Serotonitransporter-Gen einen Polymorphismus aufwies. Dieses Gen spielt im Serotoninstoffwechsel eine entscheidende Rolle, indem es die Aktivität des Serotonintransportes aus dem synaptischen Spalt zurück in das Neuron reguliert.

Erhöhte Vulnerabilität bei s-Allelträgern

„Das Serotonintransporter-Gen wird von zwei unterschiedlich langen Allelen bestimmt“, erklärte Univ.-Prof. Dr. Alexander Neumeister vom Mood and Anxiety Disorders Program am National Institute of Mental Health. Das kurze Allel (s-Allel) ist mit einer verminderten Aktivität des Serotonintransporters assoziiert und dürfte beim Menschen prädisponierend für das Auftreten von ängstlichen, depressiven Verhaltensweisen sein. Die vorliegende Studie überprüfte diese Hypothese und kam zu dem Schluss, dass Trägerinnen des s-Allels, aber auch familiär vorbelastete Frauen tatsächlich eine höhere Wahrscheinlichkeit für das Auftreten einer Depression während der Reduktion der Serotoninaktivität haben.

Dass das s-Allel eine erhöhte Vulnerabilität für das Auftreten depressionstypischer Symptome mit sich bringt ist insofern von Bedeutung, als ein substantieller Prozentsatz der Bevölkerung von diesem Polymorphismus betroffen ist. Inwieweit das genannte Gens die Entstehung von Depressionen auch unter Alltagsbedingungen begünstigt, sollen derzeit laufende Studien am Mood and Anxiety Disorders Program am National Institute of Mental Health unter der Leitung von Prof. Dr. Alexander Neumeister klären. Ebenfalls in Untersuchung ist, welche Gehirnregionen am Auftreten depressiver Symptome involviert sind.

Die Depression orten

Wie man heute weiß, verarbeiten Depressive emotional gefärbte sensorische Informationen anders als Gesunde. Aktuelle Forschungsergebnisse sprechen dafür, dass das Grundmuster der Verarbeitung genetisch festgelegt ist. Nicht nur die Frage nach dem Wie, sondern auch die Frage nach dem Wo, dürfte dabei von entscheidender Bedeutung sein. Das Ziel weiterer Studien ist nun, ein neuronales Korrelat der Depression zu identifizieren. „Zum einen auf der Ebene bildgebender Diagnoseverfahren und zum anderen auch auf genetischer Ebene“, erklärte Professor Neumeister. Dass sich daraus künftig auch neue Therapieansätze ableiten lassen werden, schätzt der in den USA tätige Wiener Depressionsexperte als durchaus realistisch ein.

Quelle: Archives of General Psychiatry 2002, 59: 613-620

SERVICE: Rücksprache: NeumeisA@intra.nimh.nih.gov


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