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Pressemeldung vom Montag, 22.07.02 20:07:05 CET/MEZ - NO EMBARGO

Wissenschaft/Gesundheit/Medizin

Neue Pneumokokken-Impfung

BRAUCHEN WIR DAS WIRKLICH?

Wien. Vor Kurzem hat der Oberste Sanitätsrat dem Staatssekretariat für Gesundheit offiziell ausdrücklich empfohlen, die Pneumokokken-Impfung für alle Kinder bis zum Alter von 2 Jahren zur Pflichtimpfung zu erklären. Die Vorgeschichte ist bekannt - anläßlich des Österreichischen Impftages hat IntMedCom (www.intmedcom.com) ausführlich berichtet. Wir baten den Impffachmann Univ. Prof.Dr. Herwig Kollaritsch, Universität Wien und den Kinderarzt, Prim Prof. Dr. Karl Zwiauer, St.Pölten, zum Interview. Denn die entscheidende Frage im Sinne der Volksgesundheit muss lauten: "Brauchen wir diese Impfung wirklich?" und "Was bringt sie?". Lesen Sie hier die zusammengefassten Argumente der Experten.

Basis der Überlegungen ist sicherlich das Hinterfragen der Gefährlichkeit der sogenannten Pneumokokken und das Spektrum jener Erkrankungen, die sie hervorrufen können.

Dazu Zwiauer: "Pneumokokken sind jene Bakterien, die am bei Säuglingen und Kleinkindern am häufigsten zur gefährlichen Gehirnhautentzündung führen!"

Kollaritsch: "Sie können eine Reihe von Erkrankungen hervorrufen: Mittelohr- , Lungen oder Gehirnhautentzündung aber auch Blutvergiftung. Früher hatte man ihnen nur beim alten Menschen Beachtung geschenkt. Bei Kindern hatte man sich zu Unrecht auf die Antibiotika (AB) verlassen."

Grundsätzlich ein naheliegender Ansatz, dass man bei bakteriellen Infektionen auf Antibiotika vertraut. Dennoch hat sich gezeigt, dass er vielfach nicht funktioniert. Die Erklärung ist relativ einfach. Kollaritsch: "Die AB-Resistenzen steigen und die Wirkung der AB kommt oft zu spät, denn das Schicksal der PatientInnen entscheidet sich während der ersten 24-48 Stunden."

Tatsächlich haben Fachleute bereits in der Vergangenheit mehrfach auf dieses wesentliche Detail hingewiesen, denn das beste Antibiotikum kommt zu spät, wenn es zu spät eingesetzt wird oder eine zulange Wirkanflutung hat. Das Problem sind einerseits Todesfälle aber andererseits - und das zählt numerisch viel höher - die enorm komplikationsreichen Verläufe der Pneumokokken-Meningitis, die häufig zu schwerer Dauerinvalidität führt. Damit aus Sicht der Praxis ein "Aus" für die Antibiotika im Sinne einer 100%ig sicheren Therapieoption.

Pneumokokken treten aber in vielen verschiedenen Serotypen (Subtypen) auf und der aktuelle Impfstoff deckt davon nur 7 ab. Hier waren sich beide Experten einig: "Der neue Impfstoff - *PREVENAR® - deckt mindestens 80% der in Österreich vorkommenden Pneumokokken-Stämme ab."

Und woher kommen diese Zahlen? Einfach abgeleitet aus internationalen Studien in Ländern die möglicherweise ein anderes Erregerprofil aufweisen? Nein, betonte Kollaritsch: "Nach den ersten Ergebnissen unserer 2-Jahres-Studie, werden 80% der in Österreich vorkommenden Stämme abgedeckt. In dieser Studie arbeiten alle Kinderabteilungen flächendeckend mit."

Einigkeit auch bei der Frage nach der Verträglichkeit der neuen Impfung. Der O-Ton: "Außer lokalen Impfreaktionen (Rötung, Schwellung) sind keine Nebenwirkungen aufgetreten: Zwiauer: "In den USA wurden in Kalifornien, wo das bereits eine Pflichtimpfung ist, Millionen Kinder erfolgreich geimpft. Das ist die Basis dieser Aussagen." Kollaritsch: "Schon gar nicht kommt es zu schweren Nebenwirkungen."

Als wesentlichern Zusatznutzen sahen beide Experten die Reduktion der Mittelohrentzündungen - auch hier sind die Pneumokokken die Nr1 in der Erregerstatistik - um bis zu 2/3. Zwiauer: "Sie sind zwar nicht ganz so gefährlich wie eine Gehirnhautentzündung, treten aber wesentlich häufiger auf." Kollaritsch ergänzend zum volkswirtschaftlichen Aspekt: "Dass man mit der Verhinderung einer schweren Infektion spart, ist allen geläufig. Wenig bekannt ist, dass man auch 2/3 aller Mittelohrentzündungen verhindern wird können. Selbst hier sind die Ausgaben (Behandlung, Arztkosten, Pflegekarenz etc) im Gesundheitssystem für ein einziges Kind höher als die Kosten der Impfung."

Succus aus beiden Gesprächen ist somit, dass die Empfehlung des Obersten Sanitätsrates aus durchaus guten Gründen erfolgte. Nun ist der Ball bei der Politik, die derzeit aber auf Urlaub weilt...

Univ. Prof. Dr. Herwig Kollaritsch (Fotos: www.intmedcom.com)
Leiter der Abteilung für spezielle Prophylaxe und Tropenmedizin
Inst. f. Tropenmedizin der Universität Wien, 1090 Wien, Kinderspitalgasse 15
Tel.: +43 - 1 - 403 8343 - 22, Fax: +43 - 1 - 403 8343 - 90,
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Prim. Univ. Prof. Dr. Karl Zwiauer (Fotos: www.intmedcom.com)
LKH St. Pölten, Abteilung für Kinder & Jugendheilkunde, 3100 St. Pölten, Propst-Führer-Str. 4
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