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Pressemeldung vom Dienstag, 9.7.2002, 19.20h CET/MEZ NO EMBARGO

Wissenschaft/Gesundheit/Medizin

USA - Hormonchaos statt differenzierter Therapie

ÖSTERREICHS EXPERTEN KRITISIEREN JAMA-STUDIE!

Wien. Am 17.7.2002 wird im Journal der American Medical Association (JAMA, www.jama.com) eine Studie erscheinen, die ein - wenn auch nicht signifikantes - Ansteigen von Brustkrebs unter Langzeit-Hormonersatz ausweist. IntMedCom (www.intmedcom.com) bat die Österreichischen Experten Univ. Prof. DDr. Johannes Huber und den neuen designierten Präsidenten der OEGGG, Univ. Prof. Dr. Sepp Leodolter, zum Exklusivinterview in Sachen WHI-Studie (Womens' Health Initiative), Hormone und Brustkrebs. Das Ergebnis war eine klare Absage an die Amerikanische Praxis der generellen Hormongabe für alle Frauen bis ins hohe Alter.

Huber: "Bei Diabetes bekommt ja auch nicht jeder die idente Insulindosis!" Gemeint ist damit, dass die US-Langzeitstudie an über 16.000 Frauen schon zu Beginn gar nicht danach fragte, ob denn überhaupt Wechselbeschwerden vorliegen würden, sondern sich nach dem Motto - "Wer altert, schluckt!" - ausschließlich am Alter der Probandinnen orientierte. Und darüber hinaus erhielten die Frauen ohne erkennbare Überprüfung des Risikos alle die gleiche Dosis einer Östrogen-Gestagen-Kombination.

"Die Ergebnisse sind, wenn man sich dieses unglaublich überholte Vorgehen vor Augen hält, auch noch gut!", so Huber, "denn schon aus anderen Studien ist bekannt, dass ein undifferenziertes Vorgehen zu Problemen führen kann. Das ist keineswegs neu!"

Ähnliche Ergebnisse wie für den Brustkrebs ergaben sich auch für das Auftreten von cardiovaskulären Erkrankungen - also etwa Angina pectoris und Herzinfarkt - ein nicht signifikanter Anstieg. Die Studie lässt vermissen, dass die Frauen vor Beginn der Hormongabe entsprechenden Herzuntersuchungen zugeführt worden wären. Zudem wurden die Hormone bis ins hohe Alter verabreicht. Sowohl Huber als auch Leodolter dazu einhellig: "Im höheren Alter steigt das Risiko einer cardiovaskulären Erkrankung bei jeder Frau. Hier Hormone zu verabreichen, ist völlig unverständlich.!"

Aufsehen erregt die Studie deshalb, weil es nach vielen Beobachtungsstudien, die sogar eine Verminderung des cardiovaskulären Risikos um bis zu 50% auswiesen, die erste randomisierte, plazebokontrollierte Studie war, die sich den Bereichen Hormongabe und Brustkrebs, cardivaskulären Erkrankungen, Darmkrebs, Osteoporose und anderen widmete.

Leodolter zur Praxis in Österreich: "Die Amerikaner sind uns auf diesem Gebiet klar unterlegen. Sie haben zwar früher begonnen, sich mit der Lebensqualität der Frau in diesem Lebensabschnitt zu beschäftigen, sind aber bei einer recht simplen Einstellung zur Therapie hängen geblieben. Wir verfügen (Anm.: im Gegensatz zu den USA) über etwa 50 verschiedene Präparate, die sich in der Dosierung der Hormone, deren chemischer Zusammensetzung sowie der Verabreichungsform (Tablette, Pflaster, Spray, Creme etc.) unterscheiden. Vor der Hormonersatztherapie wird eine Mammografie gemacht, die jährlich wiederholt wird. Dazwischen per Tastbefunde kontrolliert und die Frau zur Selbstuntersuchung angeleitet. Auch die internistische Abklärung eventueller Zusatzerkrankungen gehört zur Routine, um die Organgesundheit beurteilen zu können. Wir behandeln niemals ohne tatsächliche therapiewürdige Wechsel-Symptomatik und wir behandeln differenziert. Ein Verhalten, dass in den USA fast unbekannt ist. Jedes andere Vorgehen würden unsere Frauen auch ablehnen."

Die WHI-Studie, die insgesamt noch bis 2005 laufen soll, wurde bei jenem Teil der Frauen mit kombiniertem Hormonersatz nach durchschnittlich 5,2 Jahren abgebrochen. Trotz der fehlenden Signifikanzen im Anstieg der erwähnten Erkrankungen und trotz exzellenter Ergebnisse für Osteoporose oder Darmkarzinom. Begründung war die "ungünstige Balance" in der Nutzen-Risiko-Beziehung. Kann also für Österreich Entwarnung gegeben werden oder nicht?

Dazu Prof. Huber: "Unbedingt. Ein derartiges Vorgehen wie in dieser Studie ist bei uns undenkbar. Daher ist auch mit derartigen Folgen nach derzeitigem Wissensstand nicht zu rechnen. Hormone sind kein Staubzucker, den man überall hinstreut. Wir gehen mit diesen Themen einfach sorgsamer um und daher gibt es für Österreichs Frauen absolut keinen Grund zu Besorgnis!"

Kontakt:

Univ. Prof. DDr. Johannes Huber
Leiter der Klin. Abteilung f. Endokrinologie und Sterilitätsbehandlung
Univ. Frauenklinik Wien
1090 Wien, Währinger Gürtel 18-20
Tel.: 01 - 40400 - 2813, Fax: 01 - 40400 - 2817
Email: johannes.huber@akh-wien.ac.at


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