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PRESSEMELDUNG 11.10.2001

Todesgeissel Dick-Darm-Krebs

Seriösen Berechnungen zufolge sind im Jahr 2001 alleine in den USA 135.400 Neuerkrankungen und 56.700 Todesfälle an kolorektalem Karzinom zu erwar-ten. Dieser Tumor zeichnet sich für 11% aller Krebstodesfälle verantwortlich. Jährlich werden für die Behandlung betroffener Patienten 6 Billionen Dollar ausgegeben. Die Wahrscheinlichkeit im Laufe seines Lebens selbst an einem Dickdarmkarzinom zu erkranken beträgt 6%, d.h. 1 von 17 Personen ist be-troffen, wobei das Erkrankungsrisiko ab dem 50.Lebensjahr signifikant zu-nimmt. Da das Dickdarmkarzinom eine vorwiegend in den westlichen Indust-rienationen auftretende Erkrankung darstellt, lassen sich diese epidemiologi-schen Daten natürlich auch auf Europa und speziell auf Österreich übertra-gen, das weltweit -bezüglich Häufigkeit bei Männern- an 8.Stelle rangiert.

Rund 75% aller kolorektalen Karzinome treten sporadisch, d.h. ohne spezielle Risikokonstellation, auf. Etwa 20% finden sich bei positiver Familienanamnese und 5-6% sind auf hereditäre, genetisch defi-nierte Syndrome zurückzuführen Da Dick-darmkarzinome fast ausnahmslos über Polypen entstehen ("Adenom-Karzinom-Sequenz") und da es im Mittel 10 bis 15 Jahre dauert bis ein Polyp maligen entartet, ergibt sich ein beträchtlicher Handlungs-zeitraum für die Frühdiagnose und Ab-wendung der Tumorentstehung, letzteres konkret in Form einer Polypektomie.

Für die Frühdiagnose stehen verschiedene Screeningmethoden zur Verfügung. Im wesentlichen handelt es sich dabei um die Nachweis von Blut im Stuhl, die Sigmoidoskopie (Spiegelung des unteren Dick-darmanteiles) und die Kolonoskopie, wobei jede Methode gewisse Vor- und Nachteile (betreffend Sensitivität, Spezifität, Compli-ance, Kosten) beinhaltet. Bezüglich der Effizienz besteht aber kein Zweifel, wie dies in einer kürzlich publizierten Studie bestätigt wurde:

Im Veterans Medical Center in Portland USA wurden 2885 asymptomatische Männer zwischen 50 und 75 Jahren sowohl in Form eines Hämokkulttests als auch einer Kolonoskopie untersucht. Bei 306 Personen / 10.6% fanden sich signifikante Polypen (>1 cm) bzw. Karzinome. Die Trefferquote betrug mit dem Hämokkult-test 24%, mit der Sigmoidoskopie wäre diese bei 70% und mit einer Kombination von Hämokkult und Sigmoidoskopie bei 76% gelegen. Nur mit der Kolonoskopie konnten 100% richtig erkannt- und zumindest im Polypenstadium auch abgewendet werden In Kenntnis dieser Fakten hat sich die American Cancer Society ein hohes Ziel gesetzt.

USA: bis zum Jahr 2005 sollen 75% der Bevölkerung über die Problematik des Dickdarmkarzinoms ausreichend informiert sein und 60% der Targetpopulation (a-symptomatische Personen zwischen dem 50. und 75. Lebensjahr) eine Vorsorgeko-lonoskopie absolviert haben. Daraus würde bis zum Jahr 2015 eine 40%ige Reduktion der Erkrankungshäufigkeit und eine 50%ige Reduktion der Dickdarmkarzinommortalität resultieren. Unabhängig vom gesicherten Stellenwert der Kolonoskopie in der Früherkennung und zur Abwendung der Karzinommanifestation wird an der Entwicklung neuer Screeningverfahren weltweit intensiv gearbeitet Vielversprechend scheinen Verbesserun-gen des Hämokkulttests (z.B. immun-histochemischer Nachweis von Hämoglobin), die virtuelle Kolonoskopie, sowie genetische Stuhltests.

Letztere bieten den Vorteil einer nicht-invasiven Untersuchung, einer hohen Sensitivität (da die mutierte DNA konstant vom Tumor, und zwar egal wo dieser im Kolorektum lokalisiert ist, abgesondert wird) und vermutlich auch einer besonders frühen Diagnostizierbarkeit - möglicherweise sogar noch bevor ein Polyp überhaupt sichtbar wird. In einer rezenten Studie konnte gezeigt werden, dass mittels eines solchen Tests, der 3 genetische Marker erfasst, immerhin 71% aller Karzinome korrekt erkannt werden konnten

Einen weiteren Forschungsschwerpunkt beim Kampf gegen das Dickdarmkarzinom stellt die Primärprävention dar. Während einige diätetische Interventionsstudien, z.B. mit Vitamin C, Beta-Caroten, Calcium, Cerealien und/oder in Form einer fettarmen und Obst/Gemüsereichen Kost eher enttäu-schend geblieben sind, lassen zahlreiche experimentelle und auch in vivo Untersuchungen beim Menschen auf die Möglichkeit einer aktiven Chemoprävention hoffen:

Derzeit läuft in England etwa eine groß angelegte Studie, die sich mit der präventiven Wirkung der Folsäure beschäftigt, nachdem es in der Literatur dazu ernstzunehmende Hinweise gibt.

Bei zahlenmäßig repräsentativen epidemiologischen Untersuchungen fand sich bei regelmäßiger und längerfristiger Einnahme von Aspirin bzw. nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAIDS), eine Verringerung der Dickdarmkarzinomhäufigkeit um 40-50%. Den entscheidende Wirkungsmechanismus dürfte die Inhibition der Cyclooxygenase-2 (COX2 darstellen, ein Enzym das im Rahmen der Prostaglandinsynthese bei Entzündungen und Neoplasien eine entscheidende Rolle spielt und durch Zytokine, Wachstumsfaktoren, Onkogene und Tumorpromotoren induzierbar ist.

Während dieses Enzym in der normalen Dickdarmschleimhaut nicht nachweisbar ist, lässt sich bei 40% aller dysplastischen Polypen und bei 80-90% aller Dickdarmkarzinome eine erhöhte Expression nachweisen. Aspirin bzw. die NSAIDS dürften nicht nur eine Verringerung der Prostaglandinsynthese bewirken, sondern auch die Zellproliferation / Apoptose beeinflussen bzw. antiangiogenetische Wirksamkeit entfalten.

Den eine universelle Propagation (vermut-lich berechtigt) antagonisierenden Faktor stellen mögliche Nebenwirkungen, vor allem seitens des Gastrointestinaltraktes, dar.

Konkrete Möglichkeiten zur Lösung des Konfliktes/Problems stellen der Einsatz -chemopräventiv vermutlich ausreichend wirksamer- geringer Dosen, die kombinierte Gabe mit anderen, das Karzinomrisiko offenbar mindernden Substanzen (Folsäu-re, Selen, Statine) und die Weiterentwick-lung der aktiven Wirkstoffkomponente dar. Ein spezifischer COX-2 Inhibitor, Cele-coxib, wurde in den USA kürzlich bereits zur Chemoprävention des Dickdarmkarzinoms bei Hochrisikopatienten zugelassen.

Service
Fragen und Rücksprache bitte direkt mit:

Univ.-Prof. Dr. Werner Scheithauer,
AKH, Univ. Klinik f. Innere Medizin I
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