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PRESSEMELDUNG
10/10/2001 19:53

PMS - EIN MÄNNERPROBLEM?

Wien. Vor mehr als 50 Jahren titelten amerikanische Boulevardzeitungen folgende Schlagzeilen "Neueste wissenschaftliche Erkenntnis: Zusammenhang zwischen prämenstrueller Belastung und Verbrechen" (Providence Journal), "Irrationales weibliches Verhalten auf prämenstruelles Syndrom zurückzuführen" (Providence Journal) oder "Gewalttätigkeiten von Frauen hängen mit Menstruation zusammen" (National Enquirer). Quelle des Aufruhrs der (männlichen) Schlagzeilenmacher war ein Mord, den eine Frau an ihrem Mann begangen hatte. Der Strafverteidiger argumentierte, dass die Frau unter prämenstruellem Stress stehend, nicht Herrin ihrer Sinne gewesen sei und somit für die Tat nicht verantwortlich gemacht werdenm könnte. PMS also ein gar tödliches Männderproblem? IntMedCom fragte die bekannte Sexual- undVerhaltenstheraputin Prof. Dr. Rotraud A. Perner (http://welcome.to/rotraud.a.perner) zu diesem Thema.

IMC: Frau Prof. Perner, ist das PMS tatsächlich ein Männerproblem?

RAP: Wenn Sie so fragen, ja und nein. Historisch gesehen mit Sicherheit ja, denn zunächst wurde es mit Unzurechnungsfähigkeit der betroffenen Frauen assoziiert, die bösartige Konsequenzen für Männer haben könnte. Somit also ja. Ja auch, wenn die Kommunikation einer Partnerschaft nicht die persönliche Intimsphäre erfasst. Dann steht der Mann mehr oder weniger hilflos da, denn, was man ihm nicht mitteilt, kann er auch nicht wissen können.

IMC: Sie erwähnten aber auch ein nein ...

RAP: Grundsätzlich ist die Belastung, die vom PMS für die Frau - und damit möglicherweise für die Beziehung - ausgeht sehr intensiv abhängig von der Lebensgeschichte der Betroffenen. Es werden von Frauen häufig Verhaltensmuster übernommen, die sie von ihrer Mutter "gelernt" haben. Hier fällt mir die alte - und keinesfalls überholte - Lebensweisheit ein: "Wenn Du iwssen willst, was Dich in einer Ehe erwartet, schau Dir die Eltern des künftigen Partners gut an!" Ein Satz den Mütter ihrem Söhnen - meist vergeblich - versuchten, auf den Lebensweg mitzugeben.

IMC: Können Sie das etwas präzisieren?

RAP: Gerne. Wesentlich sit, welche Rolle die Frau sich selbst zuordnet. Ob sie ein natürliches Verhältnis zu ihrem Körper, zu ihrer Sexualität und damit ihrer Monatsblutung hat. Noch meine Großmutter war stolz darauf, dass sie ihr Mann Zeit ihrer Ehe niemals nackt gesehen hatte. Die handgestrickten Monatsbinden wurden unter Geschirrtüchern versteckt, denn der Mann durfte auch nicht nur erahnen, wann sie ihre Blutung hatte. Das war die Situation um 1920. Aber bis zur heutigen entspannten Einstellung der jüngeren Generation zu diesen Themen dauerte es noch Jahrzehnte. Das sind, wissenschaftlich gesehen, junge Themen der letzten 10 bis 20 Jahre.

IMC: Woher kommt das Leiden der Frauen nun?

RAP: Das ist sehr unterschiedlich. Grundsätzlich kennen wir ja auch andere Themen, die mit Hormonschwankungen zu tun haben wie etwa die Schwangerschaft, die Empfängnisverhütung oder die Menopause - und die Vielfach auch als Leid apostrophiert werden. Das hängt mit dem entsprechenden Druckzusammen, dem die Frauen seitens der Gesellschaft unterliegen. In unserer Kultur wird die erste Regel oft mit dem Kommentar "Du arme. Jetzt geht das bei Dir auch schon los!" begleitet, anstatt ein Fest zu feiern, dass aus einem Mädchen eine junge Frau geworden ist. In Kulturen, in denen Kinder eine große Rolle spielen, ist das etwa so.

IMC: Und wie wird von den Frauen mit dem PMS umgegangen?

RAP: Im besten Fall handelt es sich um eine informierte Frau, die um ihre Körperfunktion weiß und die ihrem Partner rechtzeitig signalisiert, dass sie jetzt vielleicht ein wenig Entlastung oder Schonung benötigt. Im anderen Extrem werden die Symptome geradezu hysterisch als alles dominierende Belastung ausgelebt. Dann wird damit auch Druck gemacht auf den Mann, der, da nicht informiert, keine Chance hat, sich richtig zu verhalten und damit einem zumindest emotionalen Druck im Sinne von "Du MUSST Rücksicht auf mich nehmen!"ausgesetzt ist. Somit wieder Männerproblem ...

IMC: Und was ist der Weg aus diesem Dilemma?

RAP: Sicherlich eine behutsame Erziehung und Hinführung auf das Frausein. Am besten wären - bitte, lachen sie mich nicht aus - gezielt ausgelebte Weiblichkeitsrituale.

IMC: Wie darf man das verstehen?

RAP: Also etwa, alle Frauen, die gerade ihre Blutung haben, feiern das miteinander, anstatt sich darüber zu grämen. Sie stecken sich alle rote Blumen in die Haare, kleiden sich rot, tragen rote Schuhe etc.

IMC: Und der Sinn dahinter?

RAP: Ein völlig anderer Zugang zur Regelblutung. Wer sagt, denn, dass das Image der Blutung etwas mit Befleckung oder Unreinlichkeit zu tun haben muss? Tatsächlich handelt es sich doch um das Abtoßen von Zellen, die nicht mehr gebraucht wrden - daher also um eine reinigende Blutung. Somit etwas absolut Positives.

IMC: Wenn wir von diesem doch recht progressiven Ansatz absehen, wie kann man mit dem Belastungswechselspiel Stress erzeugt Hormonschwankungen und Hormonschwankungen erzeugen Stress umgehen?

RAP: Idealerweise durch positive Besetzung der Weiblichkeit - die aber noch immer nicht existiert. Unter den gegebenen Umständen mit Sicherheit durch gute, vielfältige Imformation, die von verschiedenen Seiten verfügbar sein muss, und nicht zuletzt durch die gelebte Erkenntnis, dass in der Natur eben vieles einem Rhythmus folgt, der, wenn er angenommen wird, an Belastung verlieren kann.

SERVICE
Unsere Gesprächspartnerin war:

Prof. Dr. Rotraud A. Perner
A - 1010 Wien, Weihburggasse 14/1/2/9
Tel: +43 (0)1 - 968 1818, Fax: +43 (0)1 - 535 52 72
E-mail: rotraud.a.perner@chello.at
web: http://welcome.to/rotraud.a.perner (Pressefotos)


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