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Pneumokokkeninfektionen
DIE SOLLTEN WIR ENDLICH ELIMINIEREN!

Wien / St. Pölten.
Mit dem kühlen Wetter des Winterhalbjahres kehrt in die heimischen Kinderstuben vermehrt ein Erreger zurück, der sich trotz modernen Antibiotika einiges an Schrecken bewahrt hat. - Der sogenannte "Pneumokokkus ". (Streptococcus pneumoniae). Es handelt sich dabei um einen Erreger der ein breites Spektrum an gefährlichen Infektionen hervorrufen kann, deren Letalität von Experten mit bis zu 20% beziffert wird. Dazu gehören etwa die Krankheitsbilder der akuten, schweren Mittelohrentzündung, der Lungenentzündung, der Sepsis (Blutvergiftung) oder der Meningitis (Gehirnhautentzündung). Geeignete Antibiotika kommen da häufig schon zu spät, sofern nicht ohnehin bereits eine Antibiotika-Resistenz vorliegt. Daher raten Experten allgemein zur Impfung von Kindern unter 2 Jahren. Sollte das aus Kostengründen nicht durchführbar sein, so wird zumindest für Kinder dieser Altersklasse bei denen entsprechenden Risikofaktoren (z.B. chronische Erkrankungen oder Frühgeburtlichkeit) vorliegen eine Impfung dringend empfohlen.

IntMedCom hat dazu den Österreichischen Impfexperten Univ-Prof. Dr. Karl Zwiauer, Chef der Kinderabteilung im LKH St. Pölten befragt. Prof. Zwiauer ist auch Mitglied des Österreichischen Grünen Kreuzes für Vorsorgemedizin und der Impfkommission des Obersten Sanitätsrates.


IMC: Wenn so ein Thema, das jeder, der Kinder hat, mit einem gewissen Bangen betrachtet, dann stellt sich immer die Frage, ob es sich tatsächlich um eine reale Gefahr handelt oder eben nur ein Impfstoff wirkungsvoll vermarktet werden soll? Sind sie also tatsächlich gefährlich die Pneumokokken oder nicht?

Zwi: Gut, das Sie das gleich so direkt ansprechen, denn diese Überlegung ist ja naheliegend. Aber die Pneumokokken sind für einige Infektionen verantwortlich, die uns wirklich Probleme bereiten. Vielleicht war das früher nicht so bewusst, weil wir da mit einem anderen Erreger gerungen haben - dem Hämophilus. Durch die Impfung ist dieser ebenfalls sehr gefährliche Keim allerdings völlig eradiziert praktisch verschwunden. Das wäre auch bei den Pneumokokken das Ziel - und es ist auch zu erreichen!

IMC: Welche Infektionen verursachen Pneumokokken genau und was sind die Konsequenzen für die Kinder?

Zwi: Am bekanntesten ist vielleicht die Meningitis - und zwar sehr virulente Formen der bakteriellen Hirnhautentzündung. Es kommt fast immer zu Dauerschäden, schwersten Langzeitfolgen mit Taubheit oder Gleichgewichtsstörungen. Aber es gibt noch weitere typische Krankheitsbilder, die diese Erreger hervorrufen wie die schwere Sepsis (Blutvergiftung), Lungenentzündungen mit einer immensen Dunkelziffer und nicht zuletzt die akute Otitis media - die schwere Mittelohrentzündung.

IMC: Sie sprechen von einer Dunkelziffer. Wie meinen Sie das?

Zwi: Da außerhalb des Spitals so gut wie nie ein Erreger bestimmt wird, müssen wir analog zu Ländern mit besseren - oder besser gesagt - überhaupt existierenden epidemiologischen Daten annehmen, dass es viel, viel mehr Fälle dieser Lungenentzündungen gibt als uns bekannt oder bewusst ist.

IMC: Und impfen würde helfen?

Zwi: Alleine dieses Krankheitsbild ging um bis zu 40% zurück, wo geimpft wurde.

IMC: Das weiß man aber nur auf Basis der nötigen Epidemiologie.

Zwi: Ja, genau. Aber die haben wir derzeit noch nicht. Wir verfügen über keinerlei exakte Informationen. Und das verleitet viele, einfach zu sagen: ,Was wir nicht sehen, existiert nicht!' Es wäre aber dumm, wider besseres Wissen nicht an Bedrohungen zu glauben, nur, weil man sie gerade nicht wahrnimmt. Aktuell gefragt: Gibt es keinen Terrorismus, nur, weil man ihn gerade nicht sieht? Der neue Impfstoff, um den es geht, konnte laut wirklich großer Studien 97% der spezifischen invasiven Infektionen (Meningitis, Sepsis etc.) zurückdrängen gegen die er "gerüstet" ist und war immerhin noch in 90% der Fälle gegen alle Erregerstämme wirksam.

IMC: Das ist aber nur eindrucksvoll, wenn diese Erreger auch potentiell entsprechend tödlich sein können. Sind sie das?

Zwi: Das kann man wohl sagen! Die Letalität - und bei diesen Zahlen sind die Erwachsenen eingeschlossen - ist für Pneumonie bis zu 10%, für Sepsis bis zu 20% und für Meningitis bis zu 30%. Wenn es sich aber etwa um immunschwache Frühgeborene handelt, dann liegen sie entsprechend höher. Weltweit versterben deshalb rund 4 Mio Kinder pro Jahr an derartigen Infektionen.

IMC: Und Antibiotika kann ich plötzlich nicht mehr geben?

Zwi: Natürlich können Sie, aber erstens sollte man nicht vergessen, dass es bereits zahlreiche und ständig steigenden Resistenzen gibt. Daher stellt sich die Frage, welches Antibiotikum tatsächlich wirksam ist? Dazu müssen Sie entsprechende Bestimmungen anstellen, die 48 Stunden dauern. 48 Stunden der Nicht-Behandlung oder der Fehl-Behandlung. Und nicht zuletzt wirken Antibiotika erst nach 24-72 Stunden. Sie verlieren in beiden Fällen wertvolle Zeit!

IMC: Das heißt im Extremfall, man kommt mit der Behandlung zu spät?

Zwi: Genau das heißt es. Mit allen Konsequenzen.

IMC: Und was ist die Antwort? Wie kann man dieser Falle entkommen?

Zwi: Ganz einfach wie ich schon eingangs sagte. Impfen, impfen, impfen - denn nur impfen hilft wirklich

IMC: Vielen Dank für das Gespräch!

 

SERVICE: UNSER GESPRÄCHSPARTNER:
Prim. Univ. Prof. Dr. Karl Zwiauer,
LKH St. Pölten, Abteilung für Kinder & Jugendheilkunde
3100 St. Pölten, Propst-Führer-Str. 4
Tel.: 02742 - 300 - 2021; Fax: 02742 - 300 - 2108
Email: k.zwiauer@kh-st-poelten.at