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DYSTHYMIE - DIE "NEUE" LEBENSUNLUST?

Wien. Psychiater stellen ein Ansteigen der sogenannten "Dysthymie" fest. Dabei handelt es sich um eine depressionsartige Negativstimmung, die die Betroffenen über mehrere Jahre quält. Prominente Psychiater nahmen dazu heute, 30.5.2001, in Wien anlässlich einer Presskonferenz Stellung. Diese Erkrankung betrifft mit einer Lebenszeitprävalenz von mindestens 3% rund 250.000 ÖsterreicherInnen, sie wird häufig nicht erkannt und die Betroffenen flüchten sich gehäuft in Alkohol und andere Substanzabhängigkeiten. Einmal erkannt, kann die Dysthymie aber mit einer Kombination aus der Gabe bestimmter Anti-Depressiva (Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer) und Psychptherapie in bis zu 74% der Fälle erfolgreich behandelt werden.

Dazu der Wiener Psychiater Prof. Siegfried Kasper: "Der Unterschied zur depressiven Episode liegt in Schweregrad und Dauer. Sehr häufig kommt es nach langjähriger Dauer zusätzlich zum Auftreten depressiver Episoden. Besonders bemerkenswert ist die hohe Inzidenz von Selbstmordfällen unter Dysthymie." Die Dysthymie ist eine chronifizierende Erkrankung. Kasper weiter: "Diese Situation führt bei den Betroffenen zu einer langjährigen Vorgeschichte mit entsprechend hohem Leidensdruck. Die langanhaltenden, subyndromalen Beschwerden führen bei dysthymen PatientInnen zu zwischenmenschlichen Schwierigkeiten, Substanzabhängigkeiten, niedriger Frustrationstoleranz und Rigidität, sozial-phobischem und Vermeidungsverhalten."

Häufig kommt es bei der Dysthymie zur Verknüpfung mit anderen Störungen, die das Krankheitsbild dann überdecken, erläuterte Prim. Doz. Herwig Scholz vom LKH Villach. Die Erkrankung beginnt meist im 3. Lebensjahrzehnt, aber auch alte Menschen können betroffen sein. Scholz: "Ein ganz besonders oft übersehenes Problem ist die Dysthymie bei älteren Menschen, da sie hier aufgrund der verminderten sozialen Kontakte oft lange unbemerkt und unbehandelt bleibt. Gerade diesen Menschen bleibt dann oft nur der totale Rückzug oder die Flucht in sedierende (Anm.: dämpfende) Substanzen."

Die Therapie stellt wegen der langen Behandlungsdauer hohe Anforderungen an die gute Verträglichkeit der verwendeten Substanzen. Spezialist Prof. Peter Hofmann aus Graz: "Diese Anforderungen wurden aber erst durch die Einführung der sogenannten SSRIs (Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer) erfüllt - wie etwa der Substanz Paroxetin (*Seroxat®). Paroxetin konnte seine Wirksamkeit bei Dysthymie auch schon in publizierten Studien nachweisen.

Der Schlüssel zum Erfolg besteht in der Kombination von Anti-Depressiva mit Psychotherapie. Prof. Gerhard Lenz, AKH-Wien: "Neuere Daten aus den USA können für die Kombination mit einem Erfolg in 73% wesentlich positivere Aussagen machen. 48% der Betroffenen waren völlig beschwerdefrei, der Rest erfuhr relevante Besserung."