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MEHR TOTE DURCH SELBSTMORD ALS IM STRASSENVERKEHR!

Wien. Anlässlich des WHO Weltgesundheitstages "Mental Health" veranstalteten Depressions-ExpertInnen heute in Wien eine Pressekonferenz mit aktuellen Informationen zur Depression. Erschreckendes Detail: In Österreich sterben durch Selbstmord noch immer mehr Menschen als im Straßenverkehr! Neue Therapien wie die Substanz Venlafaxin können Abhilfe schaffen. Eine neue Web-Seite: www.nein-zur-depression.at soll vermehrt informieren und nicht zuletzt soll eine neuer, sehr einfacher Depressionstest (abrufbar) im Verdachtsfall Klarheit schaffen, ob ärztliche Hilfe benötigt wird. Es warten auf die Betroffenen aber auch Fallen ...

Univ. Prof. DDr. Siegfried Kasper, Univ. Klin. f. Psychiatrie, Wien und wissenschaftlicher Leiter der Pressekonferenz: "Es gibt einige wichtige Mythen im Zusammenhang mit der Depression wie etwa, das sei nur eine "Krankheit der Seele", eine "Laune" oder eine Art "Lebensunlust". Falsch, die Depression ist eine sehr ernstzunehmende Erkrankung, die einer gezielten Behandlung bedarf." und weiter, "Rund 17% der Bevölkerung erleben zumindest einmal im Leben eine depressive Episode. Laut WHO zählt die Depression gemeinsam mit der Herz-Kreislauf-Erkrankung zu den beiden weltweit häufigsten Krankheitsbildern."

Werden die Betroffenen in die Nachbehandlung entlassen, dann warten dort durch ärztliche Sorglosigkeit allerdings eine fatale Falle. Univ. Prof. Dr. Peter Hofmann, Univ. Klin. f. Psychiatrie, Graz: "Es existiert in Österreich eine Studie, die belegt, dass nach der Entlassung von DepressionspatientInnen aus einer Klinik meist lediglich eine einzige Packung des verordneten Anti-Depressivums weiterverschrieben wird. Nach rund 15 Jahren Aufklärung ist das ein sehr ernüchternder Tatbestand, der Anlass zur Sorge gibt!"

Trotz intensiver Aufklärung und Information leidet die Psychiatrie aber noch immer unter hartnäckigen Vorurteilen, die es zu Überwinden gilt. Dazu Prim. Univ. Prof. Dr. Harald Schubert, ärztlicher Leiter des Psychiatrischen LKH Hall/Tirol: "Insgesamt erleben rund 20% der Betroffenen einen Klinikaufenthalt. Allerdings nicht immer in der richtigen Abteilung, denn eine österreichische Studie konnte aufdecken, das rund 25% der DepressionspatientInnen in allgemeinen internistischen Abteilungen behandelt werden. Nicht aufgrund von Fehldiagnosen, sondern aufgrund der noch immer hoch akuten und weit verbreiteten Berührungsangst mit der Psychiatrie an sich."

Zur Behandlung steht auch wieder eine neue, weiter verbesserte Generation von Antidepressiva zur Verfügung, Hofmann: "Seit etwa 10 Jahren verfügen wir über wirksame Medikamente, die gut vertragen werden. Heute kommen neue Substanzen wie Venlafaxin dazu, die wiederum eine neuere, modernere Generation der Anti-Depressiva darstellen. Venlafaxin ist hochpotent, wird hervorragend vertragen und eignet sich wegen der geringen Interaktionen mit anderen Arzneimitteln ausgezeichnet auch für (ältere) Menschen, die andere Medikamente gleichzeitig einnehmen müssen. Angesichts dieser ausgezeichneten therapeutischen Möglichkeiten ist das eingangs beschriebene ärztliche Fehlverhalten mehr als befremdlich."

Univ. Doz. Dr. Margot Schmitz skizzierte die oft verzweifelte Situation der Angehörigen Depressionskranker: "Nicht zu unrecht fühlen sich Angehörige von DepressionspatientInnen oft auf "verlorenem Posten". Versuche, zum "Zusammenreißen" aufzufordern, enden immer frustran. Das Ergebnis sind auf der Angehörigenseite Gefühle, die sich als wütend, hilflos oder auch beides gemeinsam beschreiben lassen." Hilfestellungen wir Broschüren oder Tests können die Informationslage der Angehörigen aber erheblich verbessern. Der neueste ist ab sofort im Internet unter www.nein-zur-depression.at abrufbar. Testen sollte sich jeder, der in irgendeiner Art einen Leidensdruck verspürt. Testen kann man aber auch die Stimmung und Befindlichkeit von Angehörigen, indem man "mit deren Augen" versucht, die Fragen zu beantworten, um daraus entsprechende Schlüsse ziehen zu können.