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GÖTTERDÄMMERUNG BEI ANTI-DEPRESSIVA?

Großes internationales Aufsehen erregte dieser Tage eine Meta-Analyse zur Wirksamkeit von Anti-Depressiva (AD), die am 1.3. im "British Journal for Psychiatry" (2001; 178: 234-241, http://bjp.rcpsych.org/content/vol178/issue3/) publiziert wurde. Die Daten beruhen auf Untersuchungen mit 2.045 Patienten. Das eindrucksvolle Ergebnis stellt die Substanz Venlafaxin - eine Substanz jener neuen Generation von AD, die nicht nur das Serotoninsystem, sondern auch das Noradrenalin-System beeinflussen - deutlich höher als die bisher führenden sogenannten "Selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer".

Der Hintergrund ist einfach: Als Maßstab für eine zufriedenstellende Behandlung galt bislang die Reduktion der Symptome der Depression, z.B. um 50% nach der Hamilton Rating Scale for Depression -- Ein Wertungssystem für die Ausprägung einer Depression. Die neuen, zeitgemäßen Ansprüche der Medizin und der Patienten, die sich aufgrund der neuen AD ergeben haben, bestehen darin, möglichst ein völliges Verschwinden der Beschwerden - als Remission bezeichnet - zu erreichen, denn Patienten, deren Behandlung zur vollständigen Symptomfreiheit führt, haben nicht zuletzt ein geringeres Rückfallsrisiko. Gemessen an diesem höheren Anspruch an die Behandlung der Depression war die Substanz Venlafaxin (in Österreich Efectin®*) den Vergleichssubstanzen Fluoxetin, Paroxetin und Fluvoxamin deutlich überlegen.

Studienleiter Prof. Dr. Michael E. Thase in einer Aussendung der Universität Pittsburgh sinngemäß: "Für Millionen Menschen, die an Depression leiden (Anm.: lt WHO weltweit 340 Mio.) sind diese Ergebnisse sehr aufregend. Geht man von der großen Häufigkeit in Verbindung mit den hohen Kosten (Anm.: 40 Mrd. US$ jährlich in den USA) aus, repräsentieren diese Ergebnisse einen enormen potentiellen klinischen und ökonomischen Nutzen." Venlafaxin konnte eine Remissionsrate von 45% erreichen, während der Vergleichswert der anderen Substanzen bei 35% lag. Damit liegt die Wahrscheinlichkeit von den Symptomen der Depression befreit zu werden mit Venlafaxin um ca. 30% höher als mit selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern. Dieser Effekt trat zudem noch 2 Wochen früher auf. Man glaubt, dass die Ursache für die Überlegenheit im zweifachen Wirkmechanismus von Venlafaxin (wirkt nicht nur auf das Serotonin-System, sondern auch auf das Noradrenalin-System) begründet liegt.

IntMedCom befragte dazu aktuell Prim. Dr. David Vyssoki vom psychosozialen Gesundheitszentrum ESRA in Wien.

IMC: Was sind die derzeit neuesten Antidepressiva und was können sie?

DV: In meiner Berufspraxis als Psychiater und Primarius einer Spezialambulanz für Psychotraumatologie, spielt die Patientenzufriedenheit und die Compliance (Zusammenarbeit) eine zentrale Rolle. Um diese Ziele zu erreichen, sind wirksame AD mit einer guten Verträglichkeit sehr wesentlich. Die rasante Entwicklung neuer Substanzen in den letzten Jahren erfüllt zunehmend die Bedürfnisse nach Zufriedenheit und Zusammenarbeit zwischen Arzt und Patient, insbesondere da neuere Substanzen schneller wirken und nebenwirkungsärmer sind. Die modernste Klasse der Anti-Depressiva, zu denen auch die Substanz Venlafaxin gehört, unterscheidet sich von den bisherigen Substanzen durch ihren sogenannten dualen Wirkmechanismus.

IMC: Was ist ein dualer Wirkmechanismus?

DV: Wir wissen heute, dass der biologische Hintergrund der Depression nicht nur in einer Störung des sogenannten Serotonin-Systems begründet liegt, sondern auch das Noradrenalin-System im Gehirn betroffen ist. Serotonin und Noradrenalin sind Botenstoffe des Gehirns, deren gestörte Balance die Symptome der Depression hervorruft. Will man dieses Ungleichgewicht zuverlässig behandeln, muss man beide Substanzen medikamentös gleichsam nachregulieren. Im optimalen Fall kommt es dabei zu einer Remission.

IMC: Was bedeutet Remission genau?

DV: Unter Remission verstehen wir das völlige Verschwinden der Depressions-Beschwerden bzw. ein Absinken auf einen Wert unter 7 auf der Hamilton Skala und dieser Begriff gilt international als der neue Standard in der Bewertung der Wirksamkeit von Anti-Depressiva.

IMC: Worin liegt der Nutzen einer Remission?

DV: Das Ziel jeder ärztlichen Behandlung ist die Heilung und die Symptomfreiheit, das bezeichnen wir als Remission. Je näher wir diesem Ziel kommen, um so bessere Ergebnisse erzielen wir. Denn, kommt es während eine Behandlung mit Anti-Depressiva zu dieser Remission, dann ist das Wiederauftreten der Erkrankung weit weniger wahrscheinlich als wenn dieses Stadium nicht erreicht wird. Zudem können sich PatientInnen nach Remission wieder völlig in ihr psychosoziales Umfeld integrieren. D.h. es kommt zum Verschwinden all jener belastenden Symptome und psychosozialer Beeinträchtigungen. Die Erfahrung des Erreichens der Remission unterstützt die Arzt-Patientenbeziehung und verbessert dadurch die angestrebte Compliance.

IMC: Welche Praxisrelevanz hat in diesem Zusammenhang also die neue Studie?

Diese Meta-Analyse belegt die Wichtigkeit der korrekten Diagnostik und Therapie der Depression. Die Reduktion der Symptomatik und die Remission als zentrales Ziel der Behandlung mit AD , wie bereits vorher erwähnt, belegt zu bekommen, unterstützt uns in unserer Arbeit am Vertrauensverhältnis zum Patienten.

Amerikanische Kollegen von der Universität Pittsburgh werteten die Ergebnisse von acht Studien über die aktuelle psychopharmakologische Behandlung der "Major-Depression" aus. Sie belegen die Sinnhaftigkeit der Behandlung der Depression mit zeitgemäßen Medikamenten unter der Zielsetzung eine Remission zu erreichen, insbesondere mit Venflaxin.

Betont wird der frühere Wirkungseintritt - bereits in der 2. Woche der medikamentösen Behandlung. Insbesondere, da der Grossteil der an diesen Studien partizipierenden Patienten im ambulanten und niedergelassenen Bereich behandelt wurden.

Unser Gesprächspartner:
Prim. Dr. David Vyssoki
Psycho-soziales Zentrum ESRA
www.ikg-wien.at/site/unter/html/so/esra.htm
1020 Wien, Tempelgasse 5
Tel.: 01 - 214 9014
Fax: 01 - 214 9014 - 30
Email: d.vyssoki@esra.at