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Schonendere Bypass-Operationen durch neue Technologie

Wien. Anlässlich der heutigen Pressekonferenz in Wien wurde eine neue Methode der Bypass-Chirurgie - die sogenannte "Off-Pump-Methode vorgestellt. Darunter versteht man den Ersatz der Herz-Lungen-Maschine durch eine neuartige Saugklammer, den Ostopus. Statt des gesamten Herzens wird nur mehr das betroffene Gefäß ruhig gestellt. Derzeit wird die Methode vor allem bei PatientInnen höheren Alters (über 40% der Betroffenen sind älter als 75!) oder bei erhöhtem Mortalitätsrisiko eingesetzt. Die Konsequenzen sind weitreichend. Es kann nicht nur Geld gespart, sondern auch wesentlich schonender operiert werden, da die Herz-Lungen-Maschine zu erheblichen Belastungen des Körpers führt, die mit der neuen Technologie verhindert werden können.

Univ. Prof. Dr. Bruno Rigler, Chef der Herzchirurgie an der Universitätsklinik Graz, in seinen Ausführungen zur Herz-Lungen-Maschine, die in der Herzchirurgie bei Operationen am offenen Herzen eingesetzt wird: "Trotz der enormen technologischen Fortschritte der letzten Jahrzehnte ergeben sich bei jeder extrakorporalen Zirkulation Nebenwirkungen. Sie sind Folgeerscheinungen des Blutkontaktes mit dem Schlauchsystem, des künstlichen Gasaustausches bedingt jene durch Druck- und Scherkräfte, denen das Blut in den Pumpen und Filtern ausgesetzt ist. Im Wesentlichen sind 3 Wechselwirkungen bekannt: Veränderungen der Plasmaeiweißkörper, Aktivierung und Traumatisation der zellulären Blutelemente sowie die Toxizität künstlicher Materialien (Weichmacher, Ethylenoxyd, etc.) So sind nach extrakorporaler Zirkulation - abhängig von deren Dauer - in einem gewissen Ausmaß immer Hämolyse, erhöhte Blutungsneigung, systemische entzündliche Reaktionen, eine vorübergehende Erhöhung der Kapillarpermeabilität mit Ödembildung und letztendlich auch temporäre Organfehlfunktionen zu beobachten."

OA Dr. Johannes Bonatti, Herzchirurg an der Universitätsklinik Innsbruck, zu den Zukunftschancen der neuen Methode: "Wir sind auf dem Weg, das neue System OCTOPUS bei immer mehr Operationen an den Herzkranzgefäßen einzusetzen. Wir haben mit den "einfachen" Ein-Gefäß-Operationen begonnen, sind jetzt bei Zweigefäßerkrankungen im Routinestadium angelangt und setzen die Technik mehr und mehr bei Drei- und Viergefäßoperationen ein. In der Theorie könnte man in etwa 90% der Fälle auf die HLM (Herz-Lungen-Maschine) verzichten. Nicht ungelegen kommen bei diesem Verzicht Einsparungen bei den Operationskosten."

Einer der Pioniere der neuen Technologie in Österreich, Univ. Doz. Dr. Ferdinand Waldenberger vom Zentrum für Herz- und Gefäßchirurgie am Krankenhaus Wien Lainz sieht im neuen, schonenden Weg ebenfalls beträchtliche Vorteile: "Den größten Nutzen haben Betroffene mit hohem Mortalitätsrisiko und/oder gleichzeitig mehreren Erkrankungen. Natürlich profitieren grundsätzlich alle Gruppen von den Vorteilen, aber je höher das Mortalitätsrisiko, umso größer auch der Nutzen. Intubationszeit, Aufenthalt in der Intensivstation und Gesamtkrankenhausaufenthalt sind vermindert. Es gibt wesentlich weniger Endorgankomplikationen als unter der HLM. Unter der HLM speichern die PatientInnen bis zu 10l Flüssigkeit, die wieder ausgeschwemmt werden müssen. Die Leber- und Nierenbelastung ist beträchtlich. Nach "Off-Pump-Chirurgie" ist die neuro-kognitive Leistung wesentlich besser, da es zu keiner Minderdurchblutung (Blutdruckabfall) des Gehirns kommt. Die iatrogenen Miniembolien im Gehirn - verursacht durch Gas- oder Kunststoffpartikel oder Abbrüche aus verkalkten Aorten - fallen weg."