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Tagung der Österreichischen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe

AKTUELLES ZUR PILLE DANACH

Wien. Heute tagte am Wiener AKH die OEGGG (www.oeggg.at) zum wissenschaftlichen Thema der "Pille danach. In Österreich steht unter dem Produktnamen VIKELA® (www.vikela.at) eine neue "Pille danach" zur Verfügung. Erste Studiendaten und Erfahrungen zeigen deutlich bessere Erfolge als mit RU 684 ( Mifegyne®). Das Präparat enthält als Wirksubstanz 0,75 mg Levonorgestrel und soll vorzugsweise 12 Stunden nach dem Geschlechtsverkehr eingenommen werden. Es kann von jedem Spital, Gynäkologen oder pratischen Arzt per Rezept Betroffenen ab dem 14. Lebensjahr verordnet werden.

Österreich liegt mit rund 12 Schwangerschaften pro 1.000 Frauen unter dem 19. Lebensjahr im internationalen Spitzenfeld der ungewollten Schwangerschaften unter Jugendlichen. Angeführt wird diese Statistik von den USA (rd. 55 / 1.000) und Großbritannien (rd. 22/1.000). Die niedrigsten Zahlen weisen die Niederlande (4/1.000) und die Schweiz (5/1.000) auf. Andere wichtige Eckdaten sind die Schwangerschaftsabbrüche pro 1.000 Schwangerschaften, wo die Niederlande, in denen der Zugang zum Abbruch (spezielle Abtreibungskliniken) extrem leicht ist, mit 5/1.000 ebenfalls extrem niedrige Werte aufweisen. Großbritannien liegt bei 14,3/1.000, hier ist aber die unabhängige Zustimmung zweier Ärzte nötig. Wesentlich höhere Zahlen findet man in Osteuropa, wo etwas Rumänien - hier war der Schwangerschaftsabbruch lange Zeit generell verboten - 188 Abbrüche pro 1.000 Schwangerschaften verzeichnet. Dazu Oberarzt Dr. Wolfgang Walcher, Leiter der Abteilung für Perinatologie and der Universitätsklinik für Gynäkologie und Geburtshilfe in Graz: "Es ist ein weitverbreiteter Irrtum, dass der leichte Zugang zum Schwangerschaftsabbruch die Zahle der Abbrüche erhöht."

In Österreich unterliegen die Abbrüche keiner Meldepflicht. Man geht aber laut Walcher von einer Gesamtzahl von 25.000 pro Jahr aus.

Es gibt eine gut charakterisierte Klientel, die sich an die Ärzte wegen ungewollter Schwangerschaften wendet: Jugendliche, Neuzuwanderer und deren Kinder sowie Frauen, die schon länger keine Verhütungsmittel mehr angewendet haben. Nicht zuletzt auch die Opfer von Vergewaltigungen.

Insbesondere wenig erfreulich ist auch das Kontrazeptionsverhalten Jugendlicher. Nach einer großen Umfrage der Spezialambulanz "First love" (www.firstlove.at) erleben etwa 50% der Jugendlichen ihren Geschlechtsverkehr ungeschützt oder unregelmäßig geschützt. Das Durchschnittsalter der Mädchen bei ihrem ersten Geschlechtsverkehr liegt bei 15,3 Jahren und immerhin 27% der 14 Jährigen weisen diese Erfahrung auf. Dies berichtete OA Dr. Claudia Neudecker aus Sicht der Notfall-Gynäkologie am KH-Rudolfstiftung.

Wird eine Kontrazeption durchgeführt, dann kommt es bei Jugendlichen häufig zu Anwendefehlern, die etwa bei der Einnahme der "Pille" bis zu 15% erreichen. Eine weitere häufige Ursache für ungewollte Schwangerschaften ist in allen Altersgruppen das "Platzen" von Kondomen.

Wichtig ist für alle Betroffenen die Rechtslage. Das Stichtag für die Verordnung von Verhütungsmitteln ist der 14. Geburtstag. Ab dem vollendeten 14. Lebensjahr, dürfen Verhütungsmittel an Mädchen grundsätzlich ohne das Einverständnis der Erziehungsberechtigten abgegeben werden. Das gilt auch für Vikela®.

Definitionsgemäß liegt laut der Aussage von Univ. Prof. DDr. Johannes Huber erst dann eine Schwangerschaft vor, wenn eine Einnistung der Frucht in der Gebärmutter erfolgt ist. Da dies mit der neuen "Pille danach" verhindert wird, liegen somit von Seiten der Gynäkologen keine ethischen Bedenken vor. Ähnliches gilt auch für den Einsatz von speziellen Minispiralen, die diese Einnistung ebenfalls verhindern. Somit handelt es sich - streng genommen - auch nicht um eine Kontrazeption, sondern um eine sogenannte "Interazeption".

Dr. Daniela Dörfler-Grassauer von der Universitätsfrauenklinik Wien skizzierte die wissenschaftliche Datenlage zu Vikela®. Im Vergleich zu bisher angewendeten Methoden, insbesondere der Methode nach Yuzpe (Kombination von Östrogen mit Gestagen) mit, die seit 1982 allgemein Verwendung findet, ist die Häufigkeit und Intensität der Nebenwirkungen wesentlich geringer. Die beiden wichtigsten unerwünschten Begleiteffekte sind Übelkeit (25,1%) und Erbrechen (5,6%). Sie lassen sich durch die zusätzliche Gabe eines Antiemetikums (Medikament gegen Übelkeit und Erbrechen) wie etwa Echnatol® weiter reduzieren. Eine entsprechende Studie begann bereits am AKH Wien.

Grundsätzlich betrachten die Österreichischen GynäkologInnen die "Postkoitale Kontrazeption" (Schwangerschaftsverhütung nach erfolgtem Sexualverkehr) nicht als eine Methode für den "tägliche Gebrauch" sondern ausschließlich als "Notfall-Kontrazeption".

Das wichtigste Prinzip - über das die Frauen allgemein Bescheid wissen sollen - ist, dass die Methode so rasch und früh wir möglich eingesetzt werden soll. Der ideale Zeitraum der Anwendung liegt bei 12h nach dem Sexualverkehr, kann bezüglich der "Pille danach" aber bis zu 72 Stunden ausgedehnt werden. Allerdings steigt damit die Zahl der "TherapieversagerInnen" deutlich an. Dörfler-Grassauer zum Erfolg der Methode, "der Erfolg beträgt binnen 12 Stunden 95% und nimmt bei einem längeren Zeitraum auf bis zu 58% ab." Auch Walcher betonte die rasche Intervention als wichtigstes Kriterium. Die Grazer Zahlen belegten bei der Anwendung binnen 12h eine Versagerquote von lediglich 0,5%.

Interessierte können sich bereits im Internet zu der neuen Methode informieren. Unter www.vikela.at stellt die Vertreiberfirma "Gerot Pharmazeutika GesmbH", ein Unternehmen der Bartenstein-Gruppe, wichtige Antworten zur Verfügung. In einem Chat-Forum können eigene Erfahrungen mit anderen Betroffenen ausgetauscht werden:

Aber auch wenn die kritische Zeitgrenze von 72 Stunden überschritten ist, gibt es unter Umständen noch einen Weg, eine Schwangerschaft zu vermeiden. Dem dienen kleine Minispiralen, die die Einnistung der Frucht (Nidation) verhindern. Reguläre Spiralen können dabei nur dann eingesetzt werden, wenn es sich um eine Frau handelt, die bereits geboren hat. Bei der sogenannten "Nulliparae" ist die Gebärmutter deutlich kleiner und reguläre Spiralen würden zu Verletzungen führen. Die holländische Firma PROSAN bietet daher diese Spezialspiralen an, die allerdings in Österreich noch nicht offiziell erhältlich sind.