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Herz-Kreislauf-Stillstand

EXPERTEN FORDERN VERBESSERUNGEN

Wien. Am 14.10.2000 findet in Wien das "2. Internationale ICD-Symposium statt. Experten aus Europa und den USA diskutieren den Einsatz verschiedener Defibrillatoren. Das sind elektronische Impulsgeber, die das Herz bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand wieder "anwerfen". Breiten Raum wird auch die Diskussion um den "Volksdefibrillator" einnehmen, dem einen Tag zuvor eine Pressekonferenz gewidmet ist. Mit gutem Grund, denn bereits 1996 hat eine Studie (Gaul BG, Resuscitation, 1996; 32, 169-176) am Beispiel Wien alarmierende Zustände in Bezug auf erfolgreiche Wiederbelebung ergeben. Von 3.300 erfassten Fällen mit Herzstillstand wurden nur 249 in Krankenhäuser eingeliefert - Ganze 27 Personen davon (0,8%) verließen das Krankenhaus "lebend". Für die Fachleute Anlass genug, entscheidende Verbesserungsmaßnahmen zu fordern. Erste Schritte wurden mit einem neuen Gesetz - seit 1.3.1999 in Kraft - gesetzt, dass endlich den Rettungssanitätern den Gebrauch mobiler Defibrillatoren gestattet. Derzeit sind rund 300 dieser Defibrillatoren in Österreich im Einsatz. Bis Ende 2001 sollen in Österreich alle Rettungswagen mit diesen "Defi's"ausgestattet sein. Zwar wurden damit erste Erfolge erzielt, doch entscheiden die ersten 3! Minuten über die Zukunft der Kreislaufstillstand-PatientInnen. Dazu der Initiator der Gesetzesänderung, der Grazer Universitätschirurg und Chefarzt des Roten Kreuzes Steiermark, Prof. Dr. Berthold J. Petutschnigg: "Diese Periode MUSS unter allen Umständen und mit allen Mitteln überbrückt werden, um entscheidende Erfolge zu erzielen. Das Motto heißt: ,Der Schock, der Leben rettet!'" Rund 350 Personen täglich erleiden in Österreich einen Infarkt (Herz- und Hirninfarkt). Binnen der ersten 60 Minuten sterben 30-40 von ihnen. Insgesamt überlebt 1/5, das sind etwa 80 Menschen, das Geschehen nicht. Das sind 29.200 Tote durch Infarktgeschehen jährlich. 50% davon - rund 15.000 gehen zu Lasten des plötzlichen Herztodes. Es steht für die Experten außer Zweifel, dass dies sowohl insgesamt ein Zuviel an Herz-Kreislauf-Stillständen als auch ein Zuviel an Todesfolgen ist. Wien's oberster Universitätscardiologe, Prof. Dr. Gerald Maurer bestätigt: "Das Kernproblem dabei ist, dass rechtzeitig interverniert werden muss. Allerdings ist in den seltensten Fällen ein Arzt mit der nötigen Ausrüstung zur Stelle. Deshalb liegen die Überlebenschancen der Betroffenen bei unter 1%. Erfolgt die Intervention nicht rechtzeitig, tritt der Tod ein oder es kommt zu schweren, irreversiblen Dauerschäden." Cardiologe Prof. Dr. Herwig Schmidinger, AKH-Wien: "Der höchsten Gefährdung unterliegen mit bis zu 40% jene PatientInnen, die bereits eine derartige Attacke überlebt haben. Fast ähnlich hoch gefährdet sind Menschen, die nach einem Herzinfarkt zu einer definierten Hochrisikogruppe gehören." Auch in der Nachbehandlung der zugrundeliegenden Rhythmusstörungen brachte laut Schmidinger eine Analyse an 98.000 Betroffenen eine böse Überraschung. Sämtliche nur mit Medikamenten behandelten PatientInnen starben etwa doppelt so häufig wie jene, die einen implantierbaren Defibrillator erhalten hatten.